Aus meiner Litton-Zeit

Benutzen Sie das Mausrad...

 

 

 

 

Aus meinem Handbuch zum LN-3-System

Die Kurven zeigen einen guten Schulerperiodenverlauf über 84,4 Minuten. Die dafür zuständigen Schaltkreise brachten im Testverfahren die zu prüfende Zwei-Kreisel-, Drei-Beschleunigungsmesser-Plattform im Kardanrahmensystem zum Schwingen. Das Plattformgehäuse war ja fixiert. Im Fehlerfall würde sich hier der gesamte Regelungsvorgang als fehlerhaft darstellen. Der Techniker musste dann herausfinden, an welcher Stelle im Regelkreis eine Sollfunktion gestört sein konnte. Es gab auch Fehlerquellen, die zum selben angezeigten Symptom führten. Oft wurde die Ursache durch Steckkartenwechsel eingekreist. Die defekte Karte wurde in der Kartentest-Abteilung untersucht und gegebenenfalls repariert.

 

Die Fehlfunktion konnte auch an mechanisch-elektronischen Schnittstellen liegen, beispielsweise an Resolvern, Schleifkontakten, Synchros, mechanisch unzulässigen Reibungen usw. Der Techniker saß während der Schulertestprozedur 84,4 Minuten lang vor den Aufzeichnungsschreibern, um an den parallel ablaufenden Kurven zu erkennen, ob bei Fehlanzeige der langwierige Vorgang abzubrechen war, oder ob der Prozess weiterlaufen sollte, um möglicherweise folgende unzulässige Kurvenauslenkungen abzuwarten, die ihn einer gezielten Fehlerbeseitigung näher bringen würden.
Der Text behandelt den Flip-Vorgang. Zog der Pilot seine Maschine über 90 Grad Steilflug hinaus, um in die Rückenlage zu kommen (die er mit einer Roll-Bewegung in die Normallage zurückführt), so musste der Computer die kreiselstabilisierte Plattform „blitzschnell“ um 180 Grad zur Gegenrichtung beschleunigen und „blitzschnell“ bremsen. Hinzu kam, dass elektronisch dafür gesorgt war, dass ein indifferentes Kreisel-Verhalten (Flattern) bei längerem Exakt-90 Grad-Steilflug verhindert wurde.

 

Ein Analogcomputerspezi... 1963

Man sieht eine Reihe der Systemtestschränke, einen aufgestellten eingerasteten, teils geöffneten Computer, und jemanden, dem das alles fröhliche Freude zu machen scheint. Genau das traf auch zu. Die Arbeitsfreude nährte sich vom Miterleben daran, dass sich im LN3-System, insgesamt von einem Einzelnen nicht erfassbar, etliche tausend Einzelfunktionen abspielten, damit der Zweck des Ganzen erfüllt werden konnte. Der Zweck endete aber nicht am funktionierenden LN3-System. Er war auf die Sicherheit des Piloten fokussiert und auf seinen Auftrag, eine sich frei und demokratisch zeigende gesellschaftspolitische Gemeinschaft in einer ernst zu nehmenden Demokratie als wehrhaft darzustellen gegenüber jenen, die in einengenden Machtfesseln meinten, eine verfassungsgeschützte Denk- und Handlungswelt aus fundamental-ideologischen Gründen physisch anzugreifen, deren Freiheitsgrade durch geheime, politisch unbeeinflusste Wahlen vom Volk bestimmt werden. Vergessen wir das nicht...

 

Ausarbeitungen für Schulungszwecke

Unsere Fachkenntnisse endeten nicht am modernen Stand der Halbleiterphysik und an den technischen Präzisionsanwendungen. Sie betrafen auch den Stand der mechanisch-elektronischen Schnittstellen und erweiterten sich in der interdisziplinaren Zusammenarbeit zwischen Mechanik, Physik und Elektronik. Es gab Kontakte mit dem BWB in Koblenz, deren Bauaufsicht in Freiburg stattfand, es gab Besuche von Bundeswehr-Offizieren, von Wissenschaftlern an Technischen Hochschulen und von ungezählten fachinteressierten Messebesuchern. Während einer Hannover-Messe wurde eine komplette Plattform gestohlen mit bitterem Ergebnis für die Diebe: Es handelte sich um einen kompletten Dummy.