Aus meiner Philips-Zeit (Beyschlag GmbH)

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Helmut Düll 1980er Jahre

Helmut Düll, Technischer Geschäftsführer, war für mich fast 18 Jahre lang der Boss, von ähnlicher beruflicher Herkunft wie ich und somit im Hause Beyschlag der einzige fachbezogen konstruktive Mitgestalter progressiver Ideen, zukunftsorientierter Vorschläge im Bereich der Elektronik und wissend, dass die vorhandenen Steuerungen, die Regel- und Meßsysteme seit langem obsolet sind, der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens schaden und diese bereits in der Gegenwart, geschweige denn in der Zukunft gefährden würden.
Mein Vorgänger, ein gewisser, mir unbekannter Herr Z., war vor einiger Zeit gefeuert worden, weil seine ganze Rechnerei stets mit dem primitiven Ohm'schen Gesetz endete (das war mir von anderer Seite gesagt worden. So universell dieses Naturgesetz auch ist: Damit allein lassen sich große Systeme weder planen noch konzipieren).
1986 gab Düll seine große Abschlussfeier bei „Gardels“ in St. Michaelisdonn.
Helmut Düll kam vom Fürther Unternehmen Grundig und hatte 1964 zu Beyschlag gewechselt. Den Kommerziellen Bereich leitete der Münchner und „Philips-Mann“ Gerhard Merz ab demselben Jahr.

 

Bedankt sich zu seinem Abschied

Helmut Düll war ein Mann, dessen Persönlichkeit von umgangsschwierig bis umgangsfreundlich wechseln konnte und dennoch berechenbar und verlässlich war, das Wort galt. Da er aus der Elektronik kam, hatte ich mit meinen Fragen und Forderungen einen Gesprächs- und Verständnispartner, der mir mit seinem Weggang für den Rest meiner beyschlag-beruflichen Zukunft alternativlos verloren ging. Den notwendig gewordenen Einsatz von Software-Entwicklung unterstützte er uneingeschränkt und ließ mir alle notwendige Zeit, für zu entwickelnde Universalsteuerungen und Meßsysteme die ersten großen Assembler-Programme (notgedrungen selber !) zu entwickeln (wer sonst – Software war bei uns wie auch im Philips-Konzern und wie in Europa noch Neuland. Kollege Hauke Hansen und ich unternahmen 1971 den Versuch, einen der ersten, kaum dokumentierten 4-bit-Mikroprozessor zu verstehen und im Maschinen-, dann im Assembler-Code ein Software-Ergebnis zu erarbeiten). Ohne diesen Fortschritt, ohne hardwaremäßig und ökonomisch minimierte, dafür software-getriebene multifunktionale Neu-Entwicklungen hätten unternehmenswichtige Projekte auf keinen Fall mehr sinnvoll erstellt werden können. Der technische Fortschritt hätte uns mit unabsehbaren Folgen weit hinter sich gelassen. Düll und ich sahen die Gefahr.

 

Beyschlag weltweit

An Entwürfen elektronischer Systeme, Geräte, Konzepte, Ideen, Vorschläge, Raffinessen und an technische und ökonomische Folgen berücksichtigenden Lösungsansätzen hatten er und ich unsere heißen Debatten, Diskussionen, Streitgespräche, Übereinstimmungen, Überzeugungsleistungen, Emotionsausbrüche und weitere Menschlichkeiten. Das fand stets unter vier Augen statt. In den wöchentlich anberaumten „Entwicklungs- komitee“-Runden mit Führungsleuten aus Physik, Mechanik, Elektronik, Qualitätskontrolle, Werkstatt, Fertigung, Einkauf gestaltete sich die Kommunikation mit ihm sachlich gesehen so, dass seine Fähigkeit, in die Komplexität der unterschiedlichen Disziplinen einzutauchen und daran mitzuwirken, sehr anerkannt war.

 

Störunempfindliches Messen


 
Mein erstes Projekt 1969 war ein digitales Ohmmeter für den Widerstandbereich < 1 Ohm bis > 22 MOhm. Es arbeitete mit vielen Quecksilberrelais, deren Prellfreiheit im Schaltvorgang Voraussetzung für die Entwicklung war. Die Messgenauigkeit erreichte im besten Fall ±0,05% aufgrund der hauseigenen Präzisionsreferenzwiderstände in der Thomson-Brücke. Herrn Günter Seddig sei Dank ausgesprochen für die große Geduld beim Aufbau des Prototyps, derer ich mich noch heute gut erinnere. Das Gerät wurde als tragbares Messgerät in mehreren Exemplaren zur Anwendung in Fertigungsabteilungen in der hauseigenen Werkstatt hergestellt.
 

 

Richtig messen ist zuerst alles

Das System FM 3 war über lange, daher induktiv und kapazitiv beeinflussbare Leitungen für Signale und Messdaten in Maschinen der Endfertigung zu integrieren, durchdrungen von steilen Störimpulsen aller Art. Deren Einfluss auszuschalten oder hinreichend zu minimieren war eine für das Unternehmen und für mich neue Aufgabe, erfolgreich zwar gelöst, doch schon ergaben sich infolge inzwischen noch präziser arbeitende Bauteile auf dem Weltmarkt neue Entwicklerideen, die, neben vielen anderen Aufgaben, sogleich schon einmal skizziert wurden. Das führte schnell in einen realen Entwurf, woraus der Hardware-Komplex MSM entstand (Messen-Stoßimpuls-Messen).

 

Ökonomisch richtig messen ist zuletzt alles

Je zwei Endmessungen pro schnell durchlaufendes Produkt waren mit demselben Meßsystem erforderlich, dazwischen ein harter Prüfimpuls, so dass die Differenz beider Messungen eine Aussage darüber erlaubte, ob das Produkt den Prüfimpuls in engster Toleranz überstanden hatte oder nicht und wenn nicht, als fehlerhaft ausgeschossen wurde. Die zulässig enge Änderungstoleranz der zweiten gegenüber der ersten Messung wurde mit der einfachen Umschaltung einer Widerstandsanordnung realisiert. Alles noch ohne Software – generell das besondere Erleben in den Entwicklungsschritten, beim Aufbau und bei der Funktionsprüfung eines jeden einzelnen Subsystemdetails bis hin zur Gesamtfunktion.