Aus meiner Litton-Zeit

Benutzen Sie das Mausrad...

 

 

 

 

V. r.: Walter Hansen, ?, Volker Doormann, Erich Andersen

Junge Leute im besten Einvernehmen mit ihrer beruflichen Tätigkeit, die keine Langeweile aufkommen lässt – wer kennt das nicht, wenn die Aufgabenstellung fasziniert. Hier befinden wir uns im Plath'schen „Kellerraum“ der Systemtest-Abteilung. Unsere junge und einzige weibliche Mitstreiterin, die Dresdnerin O. Dressler, entwickelte an den feinstmechanischen Einstellgliedern im Adapter gleich feinstfühlige Fingerspitzen wie die ihres älteren Fachkollegen, der Uhrmachenmeister K. Lietz (der Älteste im Raum), dessen Umgang mit der Einstellung und dem Abgleich zahlreicher Edelmetall-Zahnräderchen und weiterer uhrenähnlicher Zusammenspiele von Stängelchen und Hebelchen unabdingbare Voraussetzung war für das reibungslose Funktionieren der wechselseitigen Signalkommunikation zwischen Plattform und Computer über buntfarbene Kabelstränge und mehrfach zuverlässig angeordnete Schleifkontakte. A propos Klaus Lietz: Er befasste sich darüberhinaus mit der Welt der Galaxien und der universellen „Leere“, worüber er zwei Bücher veröffentlichte.

 

Horst Konrad, Horst Mikonauschke, Erich Andersen

1964 – H. Konrad, H. Mikonauschke und E. Andersen strahlen Fröhlichkeit aus, die sich aus dem permanent freundlichen Betriebsklima im Hause C. Plath nährt. Erweitertes Wissen und neue technische Erkenntnis wurden nicht zurückgehalten, das war Voraussetzung für ein gedeihliches Miteinander im Bewusstsein der Verantwortung gegenüber den Piloten, der Bundeswehr und der politischen Einstellung jener Jahre, in der die militärische Abschreckung gegenüber den von den Sowjets dominierten sozialistischen Regimes hinter dem Eisernen Vorhang eine starke und auch wirksame Maßnahme war – bis hin zur Vorhang-Öffnung 1989 als Folge der Erkenntnis und Entscheidungskraft Michail Gorbatschows. Wir standen deshalb auch zu der atomaren Bewaffnungsmöglichkeit des Starfighters. Die in feindlicher Sinneshaltung gelebten Jahre des politischen Ostens gegenüber unserer westlichen Welt hatten uns diese Einstellung gelehrt. – Ich selber hatte schon in den 1950er Jahren infolge damals langer Schiffsliegezeiten aus leidvollen Aussagen vieler Einwohner in Rumänien, Bulgarien, Polen, UdSSR, DDR die Unfreiheit kennengelernt und aus meiner freien, selbstgewählten Entfaltungsmöglichkeit heraus nachzuvollziehen versucht.

 

Ein Jagdbomber, überschallgeschwindigkeitsgeeignet...

Der Starfighter F 104 für Germany konnte mehr Last an Bord tragen als die Jabos anderer Länder und erhielt den Zusatz G, also F 104 G. Auf wichtigen Flugplätzen mit stationierten Jabos dieser Art waren auch hauseigene Technische Repräsentanten tätig (TecReps), um vor Ort bei technischen Mängeln Hilfe zu leisten. Im Lauf der Jahre gab es über 200 Abstürze des F 104 G, die uns alle bestürzten und nachhaltig bewegten. Dass auch nur eine der verunglückten deutschen Maschinen durch einen Fehler im Navigationssystem erfolgte, ist mir nicht bekannt. Das erleichterte uns zwar die Arbeit am LN-3, aber nahm uns nicht die Trauer besonders dann, wenn ein Pilot durch den Absturz ums Leben gekommen war.

 

Franz Josef Straußens Lieblingsvogel

Jedes LN3-System lief „durch unsere Hände“, verbunden auch mit Ergänzungsentwicklungen, auf dem Gebiet der Elektronik durch mich mit Genehmigung der Freiburger Geschäftsleitung, die mir vorbehaltlos vertraute. Die Geschäftsleitung hatte sich für uns, die wir aus Hamburg kamen und in Freiburg z. T. eine leitende Stellung erhielten, von vornherein um Wohnungen gekümmert, von denen man sich eine akzeptable aussuchen konnte. Während der Tage der Einladung, um zu sehen, dass Litef das Richtige war, ließ sich auf eigene Faust möglicherweise eine noch bessere in oder um Freiburg finden. Meine Familie, somit auch ich, zog in die obere Etage eines Neubaus in Niederrimsingen am Tuniberg ein, ins Erdgeschoss F. Hildebrand mit seiner Familie. Er hatte die Abteilung Kartentest übernommen.
Was in Freiburg weitaus weniger praktiziert werden konnte, waren zahlreiche philosophische Begegnungen gleichgesinnter Kollegen im Hinterzimmer eines nahe gelegenen Hamburger Bierlokals. Die Diskussionen führten grundsätzlich zu Erkenntnissen, dass technische und physikalische Gesetzmäßigkeiten vielfach bis hin ins menschliche und gesellschaftliche Verhalten übertragbar sind. Daraus ergaben sich rückkehrend wirkungsvolle Handlungsweisen im Umgang mit Schwierigkeiten technischer Art, also auch an der Komplexität unseres Navigationssystems.