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VA-MitgliederteilInteressierte Mitglieder aus dem „Verdener Arbeitskreis niederdeutscher Theaterautoren“ im Jahr 1995 zu einem in Bendingbostel von Laienschauspielern aufgeführten Theaterstück. Auch wieder eine Arbeitsgrundlage zur Analyse-Arbeit, ggf. in kleineren Gruppen. Die gedachte Messlatte war allgemein hochgesteckt. Den Teilnehmern bot sich auf diese Weise eine Gelegenheit zu versuchen, sich der gestellten Anspruchshöhe so weit wie individuell möglich zu nähern. Allgemein ist die Textsprache eines Bühnenstücks, beispielsweise nieder- oder hochdeutsch, ohne Belang, denn es geht um den Textaufbau für ein spielbares Bühnenstück und nicht um Sprachpflege. Einer Sprache in Schrift und Ton mächtig zu sein obliegt selbstverständlich demjenigen Menschen, der sich an die Textarbeit macht. So wurde schon früh, April 1988, das Henrik Ibsen-Stück Nora oder Ein Puppenheim, ein qualitativ hochstehendes Bühnenwerk, als eine anspruchsvolle Vorlage verwendet, um an diesem Beispiel zu erfahren, was es bedeutet zu versuchen, den Messlattenhochstand nicht im Sprung, aber doch, verstärkt durch die fachkundigen Erläuterungen des Dozenten, step by step zu „erfassen...“.

 

Aus dem Privat-ArchivUm handschriftliche Unleserlichkeit – schon auf der ersten Seite – auszubügeln, folgt Übersetzung im lesbaren Klartext. Hinweis: Drama heißt: Handlung. Ibsen-Dramaturgie = Dr(amatik). Exposé: Kurz + spannend, handlungstragend, erregendes Moment (hier: es wird ein Geheimnis angedeutet, u.a.). Ibsen verrät Wissen ans Publikum, immer nur so viel, wie es braucht, um jeweils etwas mehr zu wissen. Irreführung (z.B. tragischer Ausgang 2. Akt). Beleidigung. Szenen voneinander absetzen: mal heiter, mal ruhig (Turbulenz, Düsteres etc.) Tempi. Erwartung (1. Steigerungsstufe), (2. Steigerungsstufe) -> Zweifel (Publikum). Innenkämpfe kurz vor Ende 1. Akt. Weitere Innenkämpfe 2. Akt Beginn mit Wandlung. Hier zulässig Nebenkampf (als Episode), hier Dr. Rank. !Nun dramatische Phase! (Beginn II.4) Bruch: er will Krogstad hinauswerfen: Höhe- und Wendepunkt. Sie sagt: „Kleinlich“, er dreht dies um und sagt, ok, ich schmeiße Krogstad brutal raus. Zwischenkämpfe (Hoffnung, Aussichtslosigkeit). 3. Akt muss die erwartete Lösung bringen (schnell, Tempo, direkt). Handfeste Tatsachen, wie ein Uhrwerk von selbst. 4. Steigerungsstufe. Hinausschub der Entscheidungen durch vorher motivierten, plötzlichen unerwarteten Vorgang. Vernichtungskampf, man weiß nicht: welche Reaktion. Retardierend + Spannung: III.5: Helmer geht mit drei Briefen fort (Publikum: wann liest er den richtigen?) Gipfelpunkt: Kinderentzugsdrohung. Geniestreich: Die Unmöglichkeit einer erwarteten Lösung + trotzdem kommt eine Lösung (hier: Nora verändert sich plötzlich + trennt sich von sich aus). Alle Konflikte sind weg. Frühnaturalistisches Stück, ahmt Wirklichkeit nach, Einfluss französisch, Thema: Emanzipation der Frau. Stück geht (für sie) gut aus, da sie es schaffen wird. Sie verbessert sich, wenn auch nach schmerzvollem Erkenntnisprozess. Einheit der Zeit ist gewahrt. Alle Einzelspannungen drängen zur Schlußspannung = Einheit der Handlung. Dramatische Situation ergibt sich aus dem Unterschied zwischen Wollen + Sein.

Aus dem Privat-ArchivEin turnusmäßig erstelltes und ausgegebenes „Blatt“ des Verdener Arbeitskreises zeugt von der Seriosität der über viele Jahre sich gehaltenen Vereinigung, aus der viele brauchbare Ein- und Mehrakter und auch Sketche hervorgingen, manche davon in andere Mundarten oder in die Standardsprache übertragen.

Mit Friedrich Hans SchäferChristoph WehkingDr. Heinz WunderlichIch habe dem Arbeitskreis, dem ich von Anfang zugehörte, viele Begegnungen mit Theaterautoren und Schauspielern zu verdanken, hier z.B. mit (li.) Friedrich Hans Schäfer, Christoph Wehking, Dr. Heinz Wunderlich.

Dieter Jorschik 73 J.

Und eben über viele Jahre, auch privat, mit Dieter Jorschik. Gegenseitige Besuche, Treffen zur Hannover-Messe, Zusammenkünfte an verschiedenen Orten – auch mit üppigen „Festgelagen“ verbunden, beispielsweise auf seinem Hinnershoff, Theaterbesuche zu anspruchsvollen Aufführungen an allerlei bekannten niederdeutschen Bühnen wie Flensburg, Bremerhaven, Neuenburg – also kurz: Lieber Dieter, sei herzlich bedankt für Deine Fachkompetenz und Freundschaft!
 
Dein Leben währte von Dezember 1941 bis Dezember 2019.

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