Täglich gibt es folgerichtige Entscheidungen   –   All days there are logical decisions

Eine Popper-Empfehlung
A Popper recommendation

Beim Suchen nach Wahrheit braucht man mindestens a) Phantasie, b) Versuch und Irrtum, c) die allmähliche Entdeckung unserer eigenen Vorurteile mit Hilfe von a), b) und mit Hilfe der kritischen Diskussion.
Karl Raimund Popper

In the search for truth, one needs at least a) imagination, b) trial and error, c) the gradual discovery of our own prejudices with the help of a), b) and with the help of critical discussion.
Karl Raimund Popper

Zwischen Wissenschaft und Politik ein gefährlicher Raum
Between science and politics a dangerous space

Werner Heisenberg (1901-1976) erzählt von seinem Besuch 1922 in Leipzig zu einem Vortrag Albert Einsteins zu seiner Relativitätstheorie. Hier ausschnittsweise: „Der Einsteinsche Vortrag fand in einem großen Saal statt ... Als ich hineingehen wollte, drückte mir ein junger Mann ... Schüler eines bekannten Physikprofessors aus einer süddeutschen Universitätsstadt, einen bedruckten roten Zettel in die Hand, auf dem vor Einstein und seiner Relativitätstheorie gewarnt wurde: ... Ungesicherte Spekulationen, durch eine dem deutschen Wesen fremde Reklame jüdischer Zeitungen ungebührlich überschätzt. ... Als mir berichtet wurde, dass tatsächlich der wegen seiner bedeutenden experimentellen Arbeiten hochangesehene Physiker, von dem auch Sommerfeld in seinen Vorlesungen oft gesprochen hatte, der Urheber des Zettels sei, brach mir eine meiner wichtigsten Hoffnungen zusammen. ... Die hier von einem Physiker gegen die Relativitätstheorie eingesetzten Mittel waren so schlecht und unsachlich, dass dieser Gegner offenbar nicht mehr darauf vertraute, die Relativitätstheorie durch wissenschaftliche Argumente widerlegen zu können ...“

Werner Heisenberg (1901-1976) tells about his visit in 1922 in Leipzig to a lecture of Albert Einstein about his theory of relativity. Here are excerpts: “Einstein’s lecture took place in a large hall ... As I was about to enter, a young man ... student of a well-known physics professor from a southern German university town, put a printed red slip of paper into my hand, on which was warned against Einstein and his theory of relativity: ... Unsecured speculations, unduly overestimated by an advertisement of Jewish newspapers alien to the German nature. ... When I was told that the author of the note was indeed the physicist who was highly respected because of his important experimental work and of whom Sommerfeld had also often spoken in his lectures, one of my most important hopes collapsed. ... The means used here by a physicist against the theory of relativity were so bad and unobjective that this opponent obviously did not trust any more to be able to refute the theory of relativity by scientific arguments ...“

Naturwissenschaft, Religion, Weltanschauung
Science, religion, worldview

In „Naturwissenschaft, Religion, Weltanschauung“ liest man, dass William Penn (1644-1718), einer der ersten USA-Pioniere und Quäker, sagte: „Menschen müssen von Gott regiert werden, sonst werden sie von Tyrannen regiert“. Tschiang Kai Schek (1887-1975) sagte: „Wir müssen im Frieden mehr schwitzen, um im Kriege weniger zu bluten“. Max Planck (1858-1947) sagt: „Gott steht für die Religion am Anfang, für die Naturwissenschaft am Ende des Denkens.“ Der politisch umstrittene, fachlich sehr anerkannte Physiker Pascual Jordan (1902-1980), obwohl Mitglied der NSDAP und der SA, versuchte in der Diktatur des Nationalsozialismus der Einstein’schen Relativitätstheorie Geltung zu verschaffen, woran er, gegen die „Deutsche Physik“ verstoßend, scheitern musste. In seinem Vortrag in Clausthal 1948, „Kosmogonische Anschauungen der modernen Physik“, trug er seine Ansichten zur Quanten- und Relativitätstheorie vor, und auch, „dass der Kosmos früher kleiner war und weniger Sterne enthielt“; dann begann vor vier bis fünf Milliarden Jahren das Wachstum, beginnend mit dem „Rauminhalt Null und der Masse Null“. Vor endlicher Zeit „habe die Ausdehnung begonnen aus einem Nichts heraus ... kein Raum vorhanden, kein Stern, und dass die Zeit ,als solche’ einen Beginn haben musste“... das Wort „vorher“ verliert seine Anwendbarkeit. Einen Kreis bezeichnet er als eindimensionales Gebilde, eine Kugeloberfläche zweidimensional. Gegen Ende des Vortrages: Vor der Welt konnte Zeit nicht sein, bei Gott ist es aber nicht so. Bei „Ihm“ ist alles gegenwärtig ...
Die Notwendigkeit menschzugewandter Religion steht doch außer Frage und nicht nur, weil sonst Tyrannen regieren („es gibt nichts Neues unter der Sonne“, Kohelet, biblische Apokryphen). Zu Max Planck lässt sich positiv Stellung nehmen, indem die ontologische Komponente des Seins vorausgesetzt wird. Pascual Jordan ignoriert diese vollständig: Aus „einem“ Nichts „heraus“... Raum und Masse „Null“... „Beginn“ der Zeit... bei Gott ist „alles“ gegenwärtig... – gegenwärtig sein bedeutet „da“ sein zwischen Vergangenheit und Zukunft oder auch ideell elementar in Nur-Gegenwart, und physisch elementar im Fluss der Momente. Einen Kreis oder eine Kugelfläche sich zu denken bedeutet, dass beides nicht real vorhanden ist, doch zeichnet man beides auf, so entstehen auf dem Papier drei räumliche Dimensionen plus die zeitliche vierte während und nach der Aufzeichnung. Körperlichkeit ohne diese vier Dimensionen gibt es bis hinunter zur dünnsten Atomlage nur nicht, wie sollten sonst Dinge aneinander vorbeikommen.

In “Science, religion, worldview“ one reads that William Penn (1644-1718), one of the first USA pioneers and Quaker, said: “People must be ruled by God, otherwise they will be ruled by tyrants“. Chiang Kai Shek (1887-1975) said, “We must sweat more in peace to bleed less in war.“ Max Planck (1858-1947) says: “God stands for religion at the beginning, for natural science at the end of thinking.“ The politically controversial physicist Pascual Jordan (1902-1980), who was very well recognized professionally, although a member of the NSDAP and the SA, tried to make Einstein’s theory of relativity valid during the dictatorship of National Socialism, which he had to fail at violating the “German Physics“. In his lecture in Clausthal in 1948, “Kosmogonische Anschauungen der modernen Physik“ (Cosmogonical Views of Modern Physics), he presented his views on quantum and relativity theory, and also “that the cosmos was smaller and contained fewer stars in the past“; then, four to five billion years ago, its growth began, starting with “zero volume and zero mass“. Before finite time the expansion “had begun out of a nothingness.... no space existed, no star, and that the time ‘as such’ had to have a beginning“... the word “before“ loses its applicability. He calls a circle a one-dimensional entity, a sphere surface two-dimensional. Towards the end of the lecture: Before the world the time could not be, but with God it is not so. With “Him“ everything is present...
The necessity of religion turned to man is out of question and not only because otherwise tyrants rule (“there is nothing new under the sun“, Kohelet, biblical Apocrypha). To Max Planck can be positively commented by presupposing the ontological component of being. Pascual Jordan ignores this completely: Out of “a“ nothing “out“... space and mass “zero“... “beginning“ of time... with God “everything“ is present... – to be present means to be “there“ between past and future or ideally elementary in only-presence, too, and physically elementary in the flow of the moments. To think a circle or a spherical surface means that both are not really present, but if one records both, then immediately three spatial dimensions plus the temporal fourth arise on the paper during the recording. Physicality without these four dimensions just does not exist down to the thinnest atomic layer, how should otherwise things pass each other.

Kategorischer Imperativ ist nur Appell (I. Kant)   –   Categorical imperative is just an appeal (I. Kant)

„Deutsche Christen“
“German Christians“

Der Volks-Brockhaus von 1940 beschreibt weder eine „deutsche Physik“ noch Albert Einstein, dafür die Relativitätstheorie als „eine Lehre der Physik, um widerspruchsvolle Erfahrungen, besonders bei der Lichtausbreitung, zu erklären“. Zu den Deutschen Christen: „Eine Richtung in der Deutschen Evangelischen Kirche, die eine einheitliche Reichskirche und eine der völkischen Wiedergeburt entsprechende Verkündigung („artgemäßer Christusglaube“) erstrebt“. Zu Deutscher Glaube Kampfring e.V.: „Bis 1938 Deutsche Glaubensbewegung, eine 1933 entstandene deutsche religiöse Bewegung, die in ihrem vom Volkstum bestimmten Glauben den Gegensatz zum Christentum stark hervorhebt. Sie bekennt sich entschieden zum nationalsozialistischen Staate und kämpft für völkische, arteigene Frömmigkeit.“ Zu Philosophie: „Die wissenschaftliche Erforschung der letzten Gründe des Seins, der menschlichen Erkenntnis und des menschlichen Handelns, die zusammenfassende Betrachtung des Wesens und Sinnes der Welt; sie ist die Grundlage aller Einzelwissenschaften und zugleich deren Krönung und Zusammenfassung. ... Die deutsche Philosophie des 20. Jahrhunderts bemüht sich besonders seit dem Weltkrieg 1914-1918 unter Anknüpfung an Nietzsche und die Lebensphilosophie um ein organisches, ganzheitliches Denken, das der Wirklichkeit gerecht wird. Wesentliche Antriebe erfährt sie durch die nationalsozialistischen Ideen von Volk und Rasse.“
Die Barbarei dogmatisch geprägter politisch-totalitärer Herrschaftssysteme, von Mitläufern gestützt und gefördert, diktiert den Beherrschten bekanntermaßen die unmittelbare Aufgabe ihrer freien, zumeist Denkhorizonte überschreitenden Kreativität und Weltanschauung – wem gefällt das? Was geht durch Resignation, durch Emigration verloren? Wer, überhaupt, möchte sich in seiner Entwicklung fremdbestimmen lassen? Ein Abschlusswort von Abraham Lincoln (1809-1865): „Man kann einige Leute die ganze Zeit und alle Leute einige Zeit zum Narren machen, aber nicht alle Leute die ganz Zeit“.

The Volks-Brockhaus of 1940 describes neither a “German physics“ nor Albert Einstein, but the theory of relativity as “a doctrine of physics to explain contradictory experiences, especially in the propagation of light“. On the German Christians: “A direction in the German Protestant Church, which strives for a unified “Reichs“-Church and a proclamation corresponding to the rebirth of people (‘faith in Christ according to the species’)“. On ‘Deutscher Glaube Kampfring e.V.’: “Until 1938 ‘Deutsche Glaubensbewegung’, a ‘German religious movement’ that arose in 1933 and strongly emphasizes the opposition to Christianity in its folk-determined faith. It is firmly committed to the National Socialist state and fights for ‘true to folks type’ piety.“ On philosophy: “The scientific investigation of the ultimate reasons of being, of human cognition and of human action, the summarizing consideration of the essence and meaning of the world; it is the basis of all individual sciences and at the same time their culmination and summary. ... German philosophy of the 20th century, especially since the World War 1914-1918, has been striving for an organic, holistic way of thinking that does justice to reality, following Nietzsche and the philosophy of life. It receives essential impulses from the National Socialist ideas of people and race.“
The barbarism of dogmatically shaped political-totalitarian systems of rule, supported and promoted by fellow travelers, dictates to the ruled, as is well known, the immediate abandonment of their free creativity and worldview, which mostly transcends horizons of thought – who likes that? What is lost through resignation, through emigration? Who, at all, wants to let himself be determined by others in his development? A closing word of Abraham Lincoln (1809-1865): “You can fool some people all the time and all people some of the time, but not all people all the time“.

Aufgefasster und erfasster Text   –   Text recorded and captured

Verstehen (Hermeneutik) und Interpretieren
Understanding (hermeneutics) and interpretation

„Wir können sicher sein“, sagt Rudolf Carnap (1891-1970), „dass drei plus eins gleich vier ist; aber weil dies in jeder möglichen Welt gilt, kann es uns nichts über die Welt sagen, in der wir leben. ... Die Gesetze der Logik und der reinen Mathematik können – das liegt in ihrer Natur – nicht als Grundlage einer wissenschaftlichen Erklärung benutzt werden, weil sie uns keine Information über die wirkliche Welt geben, die diese von anderen möglichen Welten unterscheiden würde“. (Ich füge hinzu: ...die nicht-menschgemachte Welt von der menschgemachten Welt, richtig verstanden aus Perspektive der Menschheit). Albert Menne weist schon darauf hin, dass auch falsches Verstehen Verstehen ist. Die Hermeneutik als Lehre vom Verstehen umfasst das Verstehen aller Sachbereiche, was bedeutet, dass zum Beispiel ein philosophischer Text zwar „irgendwie“ verstanden werden kann, aber auch inhaltlich falsch, worauf Erwin Leibfried (1942-2019) präzise hinweist. Daraus ergibt sich für die Theorie der Interpretation die Aufgabe, zunächst die Bedingungen des Verstehens überhaupt zu betrachten. Interpretation ist nur möglich, wenn terminologisch geklärt verstanden wird, und die Lehre vom Verstehen kann nur aufgestellt werden, sofern interpretiert wird. Die Hermeneutik theoretisiert das Verstehen, das sich in der Interpretation ausweist. Wurde ein wissenschaftlicher Text verstanden, so beweist das noch nicht ein Anderes im Verstehen, das Verstandene kann anders als das Verstehen sein. Es darf der Unterschied zwischen Verstehen und expliziter Darlegung des in diesem Verstehen Verstandenen als Gegenstand der Interpretation nicht übersehen werden (meistens werden diese zwei Regionen vermengt). Das Verstehen beispielsweise von demselben (kritisierbaren) Text ist zwar immer dasselbe, nicht aber das im Verstehen Verstandene. So kann dieselbe Wirklichkeit verschieden „erfasst“ werden, und erfassen kann man nur, was vorher „aufgefasst“ wurde, jedenfall irgendwie, macht uns Erwin Leibfried unbezweifelbar klar. Der Text gibt sich nur als „aufgefasster Text“, Unterschiedlichkeit eines Interpreten zu anderen Interpreten in deren Habitus als (vereinfacht) deren persönliche Haltung und Eigenschaft, und deren Konstitution, vereinfacht deren allgemeine Verfassung, zeigt, dass der Text der „Habitus-Konstitutions-Interferenz“ unterliegt. Ein einfaches Text-Beispiel als scheinbare Antinomie gibt uns H. Lange, ehedem Universität Köln, im „Clausthaler Gespräch 1948, Naturwissenschaft, Religion, Weltanschauung“, mit dem Satz von Oswald Spengler (1880-1936): „Es gibt keine absolute Wahrheit – entweder nämlich ist dieser Satz richtig, dann ist er selbst eine absolute Wahrheit und vernichtet sich damit selbst, oder aber er ist falsch, dann gibt es eine absolute Wahrheit und er darf nicht gesagt werden. Der Satz enthält also einen unvermeidbaren Widerspruch. Der Grund liegt darin, dass mit dem Wörtchen ,es gibt’ bereits das, was es geben soll, als wahr gesetzt wird“. Fassen wir aber den Spengler-Satz so auf, dass es „keine absolute Wahrheit“ gar nicht geben kann (wie kann keine absolute Wahrheit überhaupt sein), so dass „kein absolutes Etwas“ nur nicht ist, also niemals, dann enthält dieser Satz unsinnige Leere. Wir sagen beispielsweise „Ich habe kein Geld“, aber kein Geld kann sich weder haben lassen noch kann sich kein Geld nicht haben lassen; kein Geld kann, hierauf bezogen, nicht etwas sein. Jeder Denk-Bezug zu Niemals-Vorhandenem ist unsinnig. Das im ersten Verstehen Verstandene und die Reflexionen darauf zum Gegenstand einer ontologisch stimmigen Interpretation und Aussage zu machen war Anliegen und Zweck dieses kleinen Ausfluges.

“We can be sure,“ says Rudolf Carnap (1891-1970), “that three plus one equals four; but because this is true in every possible world, it can tell us nothing about the world in which we live. ... The laws of logic and pure mathematics cannot – it is their nature – be used as the basis of scientific explanation, because they give us no information about the real world that would distinguish it from other possible worlds.“ (I add: ...the not-manmade world from the manmade world from the perspective of mankind). Albert Menne already points out that wrong understanding is also “understanding“. Hermeneutics as the doctrine of understanding includes the understanding of all subject areas, which means that, for example, a philosophical text can be understood “somehow“, but also incorrectly in terms of content, as Erwin Leibfried (1942-2019) precisely points out. This results in the task for the theory of interpretation to first consider the conditions of understanding in the first place. Interpretation is possible only if understanding is terminologically clarified, and the doctrine of understanding can be established only insofar as interpreting takes place. Hermeneutics theorizes the understanding that is revealed in interpretation. If a scientific text has been understood, this does not yet prove another in the understanding, the understood can be other than the understanding. The difference between understanding and explicit presentation of what is understood in this understanding as an object of interpretation must not be overlooked (mostly these two regions are mixed up). The understanding, for example, of the same (criticizable) text is always the same, but not what is understood in the understanding. Thus the same reality can be “grasped“ differently, and one can grasp only what has been “grasped“ before, in any case somehow, Erwin Leibfried makes clear to us undoubtedly. The text gives itself only as a “grasped text“, the difference of an interpreter to other interpreters in their disposition as (simplified) their personal attitude and quality, and their constitution, simplified general constitution, shows, that the text is subject to the “habitus-constitution interference“. A simple textual example as an apparent antinomy is given to us by H. Lange, formerly of the University of Cologne, in the “Clausthaler Gespräch 1948, Natural Science, Religion, World View“, with the sentence of Oswald Spengler (1880-1936): “There is no absolute truth – for either this sentence is correct, then it is itself an absolute truth and thus destroys itself, or it is false, then there is an absolute truth and it must not be said. Thus, the proposition contains an unavoidable contradiction. The reason lies in the fact that with the little word ‘there is’ already that which is supposed to exist is set as true.“ But if we take the Spengler theorem in such a way that “no absolute truth“ cannot exist at all (how can no absolute truth be at all), so that “no absolute something“ only is not, that is never, then this sentence contains nonsensical emptiness. We say, for example, “I have no money“, but no money can neither let itself be had nor can no money not let itself be had; no money cannot, here referred to, be something. Every thought-reference to never-existing is nonsensical. To make what is understood in the first understanding and the reflections on it the subject of an ontologically coherent interpretation and statement was the concern and purpose of this little excursion

Philosophie ist für alle da   –   Philosophy is for everyone

Rezipientenentspannung
Recipient relaxation

Sympathischer Humor als ein konstruktiver Beiwert eines Textes, in dem zu philosophisch-ontologischen Aussagen aufgefordert wird, um sachlich geeignete Ergebnisse naturwissenschaftlicher Erkenntnis kritisch mit einzubeziehen und durch Naturwirklichkeit zu verfestigen – sympathischer Humor also, eine alte Erfahrung, entspannt wohl jeden Rezipienten und jede Rezipientin. „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher“, hat beispielweise Albert Einstein festgestellt. „Die meisten Sätze und Fragen, die über philosophische Dinge geschrieben worden sind, sind nicht falsch, sondern unsinnig“, stellt Ludwig Wittgenstein fest. Jean Paul (1763-1822) schreibt, dass „wir mit der Tugend, der Schönheit und der Wahrheit schon drei Himmel in uns haben, oder ein Universum, das nach einer zweiten Welt verlangt“. Und auch: „Dass wir uns im Himmel wiedersehen, einfach so, das ist ein Gedanke, der die Trauer entehrt“. Wer sich auf eine philosophische oder technische Spur begibt, um zur einfachen ersten Begründung einer komplexen Wirklichkeit zu gelangen, möge sich an Jean Paul halten: „Einen Strom lange aufwärts gehen und ihn immer kleiner finden“. Das kann Mühsal bedeuten und stürmische Tage dauern, und noch einmal lesen wir ihn, den Beschreibungskünstler: „Der Himmel heitere sich und uns auf“ – hinzugesetzt, dass „Kunsttheorien immer von den kleineren Geistern stammen, was schön ist, so braucht man sie nicht zu lesen“. Und er genießt „eigentlich sein Sein nie mehr als an einem Tag voll halber Schwäche nach Abendtrunk“.

Sympathetic humor as a constructive added value of a text in which philosophical-ontological statements are requested in order to critically include factually suitable results of scientific knowledge and to consolidate them by natural reality – thus sympathetic humor, an old experience, probably relaxes every recipient. “Two things are infinite, the universe and the human stupidity, but about the universe I am not quite sure yet“, Albert Einstein has stated for example. “Most of the sentences and questions that have been written about philosophical things are not false, but nonsensical,“ Ludwig Wittgenstein states. Jean Paul (1763-1822) writes that “with virtue, beauty and truth we already have three heavens within us, or a universe that calls for a second world.“ And also: “That we meet again in heaven, just like that, that is a thought that dishonors sorrow“. Whoever sets out on a philosophical or technical track in order to arrive at the simple first reason for a complex reality, may keep to Jean Paul: “Going up a river for a long time and finding it smaller and smaller“. This can mean toil and stormy days, and once again we read him, the descriptive artist: “Heaven cheers itself and us up“ – adding that “art theories always come from the lesser minds, which is nice, so you don’t need to read them“. And he “actually never enjoys his being more than on a day full of half weakness after evening drink“.

KI-Intelligenz in Entwicklerköpfen   –   AI intelligence in the minds of developers

Digitaltechnik
Digital technology

Digitale Daten und Befehle zur Realisierung spezialistengemachter Algorithmen, die in Computersystemen mit Hochgeschwindigkeit statt mit menschlichem Schneckentempo ein breites Aufgabenspektrum zu Ergebnissen führen: Oft sogleich begründet beargwöhnt, öfter sogleich hochwillkommen. So wird beispielsweise die fortschrittliche Technik zur „Wissenschaft als Religion der Neuzeit“ erhoben, die Technik „ihr Kult“ [Gregor Siefer (*1928), Philosoph, Soziologe, in: Wertewandel und Lebenssinn]: „Wir wissen immer mehr und werden (deswegen) immer dümmer“, im Nachsatz „relativ dümmer“. Künstliche Intelligenz (KI) als überzogener Begriff, denn die Intelligenz liegt in den Entwicklerköpfen, führt nicht selten zu überspannten Interpretationen – wie schon der Begriff „digital“. Der Begriff „analog“ wurde in eine „gute alte Zeit“ versetzt. Zum anderen beruht das Willkommen auf dem großen Vorteileschatz der Digitaltechnik bis hinunter zum Jedermanns-Smartphone, dessen überreiche Benutzbarkeit nicht selten die Augen fesselt, statt diese im Land- und Stadtverkehr auf mögliche Gefahren zu richten, wie es in der guten alten Zeit noch der Fall war.
Das Wort digital („Finger...“) gründet simpel auf Finger-Signal-Eindeutigkeit, nach deren Ja oder Nein die gesamte Digitaltechnik (Binärsystem) grundsätzlich aufgebaut wurde. Für die Zahl 0 steht die geballte Faust, der allein gestreckte Daumen kann der Ziffer 1 entsprechen, Daumen runter und allein Zeigefinger hoch = 2, Daumen und Zeigefinger = 3, Mittelfinger allein = 4, Daumen hinzu = 5, Zeigefinger allein dazu = 6, Daumen hinzu = 7, Ringfinger allein = 8, und so weiter, bis alle Finger gestreckt die Zahl 31 ergeben, also 32 Eindeutigkeiten mit fünf Fingern. Zehn Finger gestreckt enden auf diese Weise mit 1024 Zählmöglichkeiten.
Was ist denn wo...
Die Digitaltechnik, deren „Finger“ (bits, binary digits, ein bit hat die Wertigkeit 0 oder 1) in angepasst-praktikabler Anzahl von Null bis zu vielen ab- und aufsteigenden Eindeutigkeiten führen, realisiert durch multifunktional-minimierte Hardware, die in der Analogtechnik aufgabenbezogen und damit teuer entwickelt werden muss, um Ergebnisse zu erhalten, die ungenau sind, wenn auch oft vernachlässigbar. Die „Grenzen des Fortschritts sind erreicht“, schreibt Gregor Siefer, „eine Besinnung, ein Umdenken tut not.“ „Ein Gespenst geht um“, schreibt Richard David Precht (*1964), Philosoph, „das Gespenst der Digitalisierung. ... Die Frage ist nicht: Wie werden wir leben? Sondern: Wie wollen wir leben?“ Und eine Seite zuvor: „Die Techniker haben den Menschen noch nie verstanden, und den Finanzspekulanten ist er egal.“ Ganz davon abgesehen, widmet sich Precht hervorragend der philosophischen Historie. Dem zeitlichen Geschehen in den Jahren nach öffentlichem Bewusstwerden der Einflüsse von der Digitaltechnik in die Gesellschaft widmet er sich dezidiert (die Mikroprozessortechnik nahm bereits nennenswerten Anlauf um 1970), auch andere intellektuell gebildete Menschen tun dies. „Wir müssen lernen“, schreibt er, „die Möglichkeiten digitaler Technologie nicht nur aus dem Blickwinkel des wirtschaftlichen Wettbewerbs zu sehen, sondern als Chance zu einem guten Gesellschaftsmodell.“ Dass Techniker den Menschen „noch nie“ verstanden hätten, zeigt, dass es Philosophen gibt, die die Techniker „noch nie“ verstanden haben – und Physiker selten, obwohl Physiker vielfach philosophisch denken müssen (vor allem ontologisch, quod erat demonstrandum). Wir alle haben Vorurteile (Popper), Precht natürlich auch. Man wird aber davon ausgehen können, dass immanente Vor- und Nachteile der Digitaltechnik den Menschen viele Chancen zu einem „guten“ Gesellschaftsmodell ermöglichen. Was gut oder nicht gut ist, entscheidet jeweils die Gesellschaft. Relativ „nicht gut“ ist Digitaltechnik als Präzisionswaffentechnik, wenn Politik sie aggressiv missbraucht. Relativ „gut“ ist sie als militärische Abwehrtechnik. Die Analogtechnik konnte diese Präzision nicht realisieren.

Digital data and commands for the realization of algorithms made by specialists, which lead to results in computer systems at high speed instead of at human snail’s pace for a wide range of tasks: Often immediately justifiably resented, more often immediately highly welcomed. For example, advanced technology is elevated to the status of “science as the religion of modern times“, technology “its cult“ [Gregor Siefer (*1928), philosopher, sociologist, in: Changing values and meaning in life]: “We know more and more and are (therefore) becoming more and more stupid“, in the postscript “relatively more stupid“. Artificial intelligence (AI) as an exaggerated term, because the intelligence lies in the developers’ heads, not infrequently leads to exaggerated interpretations – as already the term “digital“. The term “analog“ was transferred to a “good old time“. On the other hand, the welcome is based on the great wealth of advantages offered by digital technology, right down to the every-man’s smartphone, whose abundant usability not infrequently captivates the eyes instead of directing them to possible dangers in rural and urban traffic, as was still the case in the good old days. The word digital (“finger...“) is simply based on finger-signal uniqueness, according to which yes or no the entire digital technology (binary system) was basically built. The number 0 is represented by the clenched fist, the thumb stretched alone can correspond to the number 1, thumb down and index finger up alone = 2, thumb and index finger = 3, middle finger alone = 4, thumb added = 5, index finger added alone = 6, thumb added = 7, ring finger alone = 8, and so on, until all fingers stretched make the number 31, thus 32 uniquenesses with five fingers. Ten fingers stretched in this way end with 1024 counting possibilities. The digital technology, whose “fingers“ (bits, binary digits, a bit has the valence 0 or 1) in adapted-practicable number lead from zero up and down to many ascending uniquenesses, realizes this by multifunctional-minimized hardware, which must be developed in the analog technology task-related and thus expensively, in order to receive results, which are inaccurate, even if often negligible. The “limits of progress have been reached,“ writes Gregor Siefer, “a reflection, a rethinking is needed.“ “A specter is haunting us,“ writes Richard David Precht (*1964), philosopher, “the specter of digitization. ... The question is not: How will we live? But rather: How do we want to live?“ And a page earlier, “The technicians have never understood man, and the financial speculators don’t care about him.“ Quite apart from this, Precht devotes himself excellently to philosophical history. He dedicates himself decidedly to the temporal events in the years after the public became aware of the influences of digital technology on society (microprocessor technology already took a notable runup around 1970), and other intellectually educated people do the same. “We must learn,“ he writes, “to see the possibilities of digital technology not only from the point of view of economic competition, but as an opportunity for a good model of society.“ That technicians “have never“ understood man shows that there are philosophers who “have never“ understood technicians – and physicists rarely, although physicists often have to think philosophically (at first ontologically, quod erat demonstrandum). We all have prejudices (Popper), so Precht has too, of course. However, one will have to assume that immanent advantages and disadvantages of digital technology give people many opportunities to create a “good“ model of society. What is good or not good is decided in each case by the society. Relatively “not good“ is digital technology as precision weaponry when politics aggressively misuses it. It is relatively “good“ as a military defense technology. Analog technology could not achieve this precision.

NAVI ohne „Einstein“? Geht nicht.   –   NAVI without “Einstein“? No way.