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Eingangsdenkkonsequenz

Der folgenden Aufsatzerweiterung liegt nun dieses zugrunde: Heideggers Nichts ist nur nicht (sonst wäre es etwas, Widersprüchlichkeit Nr. 1). Konsequenz daraus: Alles für sich Gewesene, Seiende, Werdende ist im notwendig gegenteilslosen „Alles“-Element enthalten (sonst wäre „Alles“ nicht Alles, Widersprüchlichkeit Nr. 2). Ohne Zeitlichkeit (gewesen, vorhanden, werdend) und Räumlichkeit (hier, dort, woanders) ist Gewesen-Sein, Da-Sein, Ins-Dasein-Kommen ausgeschlossen (sonst gäbe es Existenz ohne Gegenwart im Wann und Wo, Widersprüchlichkeit Nr. 3).

Gedankliche Erweiterung aus gedanklicher Enge

Jeder sieht die Grenzen seines Gesichtsfeldes an als die Grenzen der Welt, meint Arthur Schopenhauer (1788–1860). Es hört doch jeder nur, was er versteht, schreibt Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832). Von Ludwig Wittgenstein (1889–1951) lesen wir, dass man darüber, wovon man nicht sprechen kann, schweigen muss, und dass er im Einzelnen überhaupt nicht den Anspruch auf Neuheit erhebt, warum er auch keine Quellen angibt, weil es ihm gleichgültig ist, ob das, was er gedacht hat, vor ihm schon ein anderer gedacht hat.
Viele Menschen haben schon viele Jahrhunderte vor Wittgenstein den kargen Erfahrungskreis ihres alltäglichen Lebens in großen Denkprozessen gesprengt, um sich die Weite und Tiefe der die Menschheit umgebenden Weltwirklichkeit plausibel zu erklären.
Der überwiegenden Mehrzahl der Zeitgenossen in allen Generationen genügt der alltäglich erfahrene Umgang im jeweiligen begrenzten Gesellschaftskreis. Das wird und muss auch so bleiben. Wie käme der praktische Sinn handwerklicher, geistiger, sozialer Tätigkeit zur Erfüllung, würde sich jeder jeden Tag mit ontologischen, sozialwissenschaftlichen oder die methodischen Normen der Wissenspraxis betreffenden Begründungsfragen beschäftigen. Dennoch befreit gedankliche Erweiterung zweifellos aus gedanklicher Enge.
Philosophische Aussagen werden allgemein nur relativ selten rezipiert, die philosophische Sprache gilt als unverständlich, sie ist oft in Begriffe ergrübelt, die der normalsprachlichen Auffassungsgewohnheit fremd sind. Sind Fähigkeit und Neigung eines Normalbürgers, sich in philosophische Aussagen zu vertiefen, dennoch vorhanden, so kann sich diese Hingabe oft nicht recht entwickeln. Die Erfüllung des privaten Lebenssinns ist von der Notwendigkeit bestimmt, die eigene wirtschaftliche Existenz durch berufliche Tätigkeit zu sichern.
Philosophie nur für Philosophen? Das wäre Technik nur für Techniker gleichzusetzen. Deren Fokus ist allerdings auf den zu brauchenden Nutzen und zumeist auch auf die sprachliche Verständlichkeit des allgemeinen Anwenders der Technik gerichtet.
Antike Philosophenschule

Die Schule von Athen, Raffael (1483-1520),
1510-1511 geschaffen in der Stanza della Segnatura, Vatikan.
Philosophenschule

Streit und Widerstreit

Philosophisches Denken enthält Streit und Widerstreit. Die Komplexität der Philosophiehistorie zu erfassen bedarf des ernsthaften Studiums, um objektiven Überblick zu gewinnen und daraus subjektive Kritik zu formulieren, um also selber zu denken, damit daraus ein Denken wird, das auf historischen und zeitgenössischen philosophischen Aussagen aufbaut.
Es soll hier wiederholt werden: Denken, sagt Immanuel Kant, kann ich, was ich will, wenn ich mir nur nicht selbst widerspreche. Genau das sollte für alle Wissenschaft gelten, für jene Physiker auch, deren Singularitätstheorie in sich selbst widersprüchlich und damit ontologisch unhaltbar ist. Sich selbst widersprechende Aussagen zu widerlegen ist nicht nur Aufgabe der Philosophie, sondern jeder Wissenschaft, da sie Wert darauf legen muss, dass ihre Aussagen in Folgerichtigkeit stimmen.
Ideologien können zwar mächtige Denkgebäude erzeugen, doch wird in ihrem eingeengten Denken die Komplexität der Außenwelt ignoriert und deren Andersdenkende werden nicht selten ihrer freiheitlichen Würde auch physisch beraubt.
In als exakt benannten Naturwissenschaften arbeitet man außerhalb reeller Experimente und sinnhaltiger Hypothesen und Theorien nachhaltig auch mit Denkmodellen, deren ideeller Ansatz bereits in sich selbst widersprüchlich sein kann. So ist die Behauptung einer Singularität als „Weltentstehungsurknall“ dadurch unstimmig, dass dabei die zeiträumliche Notwendigkeit als Voraussetzung für alle Ereignisse ignoriert wird. Kosmogonisch-spekulative Denkvorstellungen von Physikern gibt es mehrfach: Nebular-, Rotations-, Gezeiten-, Turbulenzhypothesen. Pascual Jordan (1902-1980) entwarf als Hypothese den Zeitmoment Null, als zum Weltbeginn ein Neutronenpaar entstand und mit Lichtgeschwindigkeit expandierte. Zeitmoment Null, wie Thermometerstand null Grad, schließt ein zeitliches Vorher nicht aus, es ist aber danach zu fragen, was Physiker bewegt, sich in philosophische Annahmen zu begeben, statt von philosophischer Folgerichtigkeit (Logik) auszugehen, die der Naturgesetzmäßigkeit innewohnt. Physikern sollte Weltwirklichkeit nicht mit ursachenloser Wirkung „enden“ (Neutronenpaarentstehung), die Ursache gehört dazu und deren Wirkung als Folge von Ursache und deren Wirkung als Folge von Ursache – bis hinunter zum letzten Erkennbarkeits-Ja/Nein.

Basis falsch, alles falsch

Karl R. Popper fordert ja die Falsifikation jeder wissenschaftlichen Aussage solange, bis sie sich nicht mehr als falsch oder als wahrscheinlich, sondern gesichert und in sich selbst schlüssig als wahr erweist. Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen? Allgemein wird ja zu wenig geschwiegen und zu voreilig gesprochen. Wenig Denkpräzision setzt viel Vorurteil in die Welt. Wir alle haben zwar Vorurteile, sagt Popper, aber folgerichtig denken? Albert Menne (1923-1990) bringt uns das in eindeutiger Klarheit nahe. Techniker beispielsweise erfahren, was es bedeutet, wenn System- und Gerätefunktionen logisch falsch entwickelt wurden. Als strengste Richter technischer Funktionalität haben wir die Naturgesetze, sagt Heinrich Stork (1931-1997). Phantasie darf zweifellos auch irreal denken, woraus die eine oder andere Unterhaltsamkeit erwächst, die uns erfreut. Der raumzeitliche Gang materieller Wirklichkeit von Ursache und Wirkung ist aber rational folgerichtig bestimmt. Doch auch ist die Vielfalt der Unterschiedlichkeit menschlicher, meint: subjektiver Wahrheitsbehauptungen nichts Neues. Wahrheit? Weltwirklichkeit erfassen, um Weltdetailwirklichkeit zu beschreiben – das kann doch nur die bessere Alternative sein zu Erklärungsversuchen, die ein Ganzes aus nicht ausreichenden Einzelfällen des Ganzen induktiv behaupten.