Parmenides
Eine kleine Stellungnahme
 
Nur das Seiende ist.
Es gibt ein Außerhalb zum einen „Alles = alles, was es gab, gibt und geben wird“ nur nicht (sonst wäre dieses „Alles “ nicht alles), und wenn Parmenides „das eine unwandelbare Sein“ postuliert, dann entspricht dieses Sein diesem Alles.
Parmenides war in der Lage, Denkgrenzen zu sprengen. Das eine Sein mit allem in ihm Daseienden, Dagewesenen und ins Dasein Kommenden ist notwendigerweise nur da. Es ist infolgedessen unendlich und grenzenlos da (nur da = nur im eigenen Jetzt und Hier, für den Bedenkenden nur im Immer und Überall). Das eine Sein stellt infolge Nur-Gegenwart eine in sich selbst unterschiedslos vorhandene Basis dar für alle jene Etwas, die es in ihm gab, gibt und geben wird.
Unterschiedslos in sich selbst bedeutet, daß dieses eine Sein nirgendwo nicht gültig und niemals anders ist als es seinem Sein und Wesen nach ist. Das eine Sein ist, wie Parmenides sagt, unwandelbar und es ist folglich ohne innere Struktur. Aber es benötigt etwas für sich.
In seiner Nur-Gegenwart sein heißt in der Raumzeit sein. Das eine Sein benötigt Raumzeit, um sein zu können. Es ist nur da heißt in Raumzeit nur da sein (wo/wann sonst). Raumzeit wohnt dem einen Sein als raumzeitliches Energiepotential inne, und dieses Energiepotential ist notwendig für jedes im Sein begrenzt und endlich einmal Da-Seiende, das in seinem raumzeitlichen Nacheinandersein vorher einmal wurde und nachher einmal war.
Wenn und weil das eine Sein nur da ist und wenn und weil dieses eine Sein aus diesem Grunde von unwandelbarer und strukturloser Natur ist, so kann es deshalb nicht physikalisch gemessen, sondern muß gedanklich erfaßt werden. Die Information über es gelangt von außen in das Bewußtsein eines intelligenten „Wesens“, beispielsweise eines Menschen. Dieser Mensch kann seine Umwelt erfassen, die auch ohne ihn existiert, und so kann er jene Gesetzmäßigkeiten aus der Umwelt ableiten, aufgrund derer die von intelligenten Wesen unabhängige Welt existierte, existiert und existieren wird.
Parmenides [(-515)-(-450)] war in der Lage, das notwendigerweise vorhandenen sein müssende eine Sein gedanklich aus jenen Informationen abzuleiten, auf die er vorher infolge Erfahrungs- und Erkenntiswissen reflektiert hatte. Das Vorhandensein eines nur rein geistig wahrzunehmenden, realen „Etwas“ (von denen es weitere gibt) fand in der Erfassung dieses Etwas seine Entsprechung – die Folge der Bearbeitung von Informationen in einem Bewußtsein, wobei diese Informationen von außen ins Bewußtsein gelangten, was einen elementaren Unterschied darstellt zu Informationen, die ein intelligentes Wesen sich innerlich erzeugt (es ist intelligent). Selbsterzeugte Informationen sind Folge eines Bewußtseins, die anders erzeugten Informationen sind es nicht.
Unabhängig vom Denken ungezählter Philosophen in der Menschheitsgeschichte ist aus dem Denken des Parmenides abzuleiten, daß, wenn die theoretische Philosophie a) das aussagen soll, was ist, und die praktische Philosophie b) jenes, was sein soll, die Konsequenz b = ƒ[a] ist. Ferner ist abzuleiten, daß Nicht-Daseiendes entweder Noch-Nicht-Daseiendes ist oder Nicht-Mehr-Daseiendes, so daß Nicht-Sein nur nicht ist (dem einen Sein kann ja ein Komplement nur nicht zugesprochen werden).
Wobei allerdings Nicht-Daseiendes besser definiert werden muß als so, daß es lediglich einen Zustand im Davor und einen im Danach eines Etwas beschreibt, welches einem intelligenten Beobachter „dann und dort“ auf irgendeine Weise „erscheint“ – es muß beobachterunabhängig beschrieben werden, d. h. aus der Perspektive des Seins heraus und nicht irgendeines subjektiven Individuums.
Die eleatische Philosophie des Parmenides, daß nämlich nur das Sein ist und alles Werden trügerischer Schein, ist eine akosmistische Lehre, die sich aus dem damaligen Fähigkeitsgrad erklärt, die „intelligible Welt“ zu deuten, wozu auch „Zeit und Raum“ gehörten.
Zeit als Produkt von Dauer und Moment (der den Widerstand „Dauer“ überwindet, weil „Zeit“ ihn treibt) war noch nicht auf diese physikalische Weise erklärbar. Parmenides vertrat die Ansicht, daß Bewegtes nicht mehr ist, was es war, und noch nicht ist, was es sein wird (und so ist es auch).
Daß ein bewegtes Ereigniselement „jetzt und hier“ in seinem Dasein ist, „vorher und woanders“ in seinem Möglichsein und „nachher und dort“ in seinem Gewesensein, war also vom Grundsatz her erkannt. Daß aber mit dem Element der ihm zugehörige zeitliche Moment und der ihm zugehörige räumliche Ort durch eine externe Dauer und einen externen Abstand an den element-zugehörigen „Gegenwartsplatz“ getrieben werden und aus diesem Gegenwartsplatz wieder heraus, das war noch nicht erkennbar. Es handelt sich hier um einen naturgesetzmäßigen Vorgang.
Das Verdienst des Parmenides, von sich selbst (und damit „vom Menschen“) abzusehen, um auf die von außen kommenden Weltinformationen zu reflektieren, damit Denkgrenzen gesprengt werden, bleibt unangetastet.