Ein Rückgängigmachen des Wissens, das man gewonnen hat, gelingt nicht
„Aussage- und Wissensüberlegungen“ von Erich R. Andersen – Seite 1
Bitte berücksichtigen Sie ausstehende Korrekturen.
Die Ausführungen in Text und Grafik auf dieser Seite und den folgenden sind die Ergebnisse von Reflexionen auf viele Ausbildungs-, Berufs- und Erfahrungsvorgänge in den Jahren zwischen 1960 und 2000.
   
Wer etwas weiß und dieses Wissen äußert, wird uneitel nicht darauf bestehen, daß er „recht habe“ oder „er etwas besser wisse“, sondern er wird sagen, daß seine Aussage richtig (= nicht falsch) ist. Daß die Aussage „ein Apfel plus ein Apfel = zwei Äpfel“ nicht falsch ist, wird jedes intelligente Wesen ohne Erwartung eines Widerspruchs behaupten dürfen.
Dieselbe Sachlage ändert sich, wenn eine Menschengruppe für „Tafelgeschirr“ das Wort „Service“ benutzt und als Serwieh ausspricht, ein Hinzukommender aber Serwieß sagt, so daß der Wissende zum Unwissenden erklärt wird.
Der Klügere möge sich also unterwerfen und fortan Serwieh artikulieren.
Karl Kraus hat sogar gefordert, daß es als ehrlos gelten müßte, wider besseres Wissen die Wahrheit zu sagen.
Informationen sind objektiv
Es wird mir die Behauptung nicht als Überheblichkeit angerechnet werden, daß uns Menschen normalerweise fünf „Empfangssinne“ innewohnen, und auch nicht jene, daß wir in uns zusätzlich Erfahrungen gewinnen und Phantasie entfalten können – durch Informationen aller Art aus externen Vorgängen „genährt“.
Mit großer Wahrscheinlichkeit wird man die Behauptung nicht bestreiten, daß die Summe der „eingehenden Informationen“ sehr viel größer ist als die Summe der „gesteuerten ausgehenden Informationen“ eines lebendigen Wesens.
Informationen sind stets objektive Sache und so sind auch die von einem Individuum ausgehenden Gefühlsregungen objektive Eingangsinformationen für einen Beobachter. Sie können aber in einem Gesprächspartner eigene Gefühlsregungen entfachen.
Daß eingehende Informationen über die menschlichen Sensorien zu komplexen Gedanken- und Empfindungssystemen führen können, aufgrund derer rationale/emotionale Aktivität entsteht, ist evident. Die eingehende Informationsparallelflut ist groß („Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken“ führen u. a. zu Empfinden und Reflektieren, Vergleichen, Bewerten und Speichern), die nach außen gesteuert abgegebene dagegen klein, aber wirksam (u. a. Agieren oder Ignorieren).
Die Vielzahl der unterschiedlichen Eingangsinformationskodes wird von intelligenten Wesen „im Laufe der Zeit“ erlernt, Abweichungen davon werden durch Assoziationskräfte weitgehend toleriert, so daß weiterhin die Verständigung erhalten bleibt (Verstehen ist allerdings noch nicht Erfassen).
Informationen von überall her
Wer es untersucht, wird zu demselben Ergebnis kommen, daß menschgemachte Systeme (technische, literarische, medizinische, gesellschaftliche, politische usw.) ohne Mensch nicht wären, daß aber menschunabhängige Systeme (Galaxien, Temperaturprofile, raumzeitliche Bewegungskomplexe etc.) ohne Mensch sehr wohl sind.
Es ist unbeachtlich, ob Menschen menschunabhängige Systeme oder Elemente erkennen oder nicht erkennen; wichtig ist, daß sie erkennbar sind.
Ohne Objekt kein Beobachten „dieses“ Objekts, wohl aber Beobachtbarkeit eines jeden Objekts – der Beobachter ist der Abhängige. Die auf ein intelligentes Wesen „einstürmenden“ Informationen externer Art (es gibt auch interne) entstammen der Wirklichkeit, die das Wesen umgibt, eingeschlossen „vergangene und zukünftige Wirklichkeit“.
Es darf behauptet werden, daß normalerweise das Wissen in einem Menschen „mit der Zeit“ zunimmt, der Wissensschatz also wächst aufgrund von Erfahrung und Intellektualität.
Wissen wächst im Individuum
Das Individuum I1 im „gegenwärtigen Zeitpunkt“ G hatte als Individuum I1-n im „vergangenen Zeitpunkt“ Vn weniger Wissen als „jetzt und hier“, wenn auch der Wissenszuwachs W nicht linear verläuft wie in der Grafik der Einfachheit halber gezeigt. „Dann und dort“ wird dieses Individuum ein wieder erweitertes Wissen haben – unabhängig vom jeweiligen Erweiterungsniveau.
Individuen befinden sich unentwegt in raumzeitlicher Bewegung, da sie ein bewegtes System brauchen (z.B. die Erde), das sie trägt. Sie werden raumzeitlich eindimensional bewegt (vorwärts). Weil sie etwas benötigen, sind sie stets abhängige Wesen. Ihr Wissenszuwachs fördert normalerweise den Grad ihrer Selbständigkeit und ihrer Überlebenschance auf dem System, das sie trägt, und ggf. auch außerhalb.
Wissen fördert Glaubwürdigleit
Verbreitet ein intelligentes Individuum eine Aussage, so fördert es seine Glaubwürdigkeit dadurch, daß die Aussage auf seinem Wissen basiert. Wissen heißt hier in Breite und Tiefe soviel wie möglich von allem wissen, was mit dem Aussagethema nah oder fern zusammenhängt. Jede analytische Auseinandersetzung mit den Hintergründen und Voraussetzungen, mit den äußeren und inneren Zusammenhängen des Themas vor der Aussage, möglichst im kompetenten Dialog, nützt der Aussageglaubwürdigkeit und damit der Selbstsicherheit des Individuums. Es kann auch infolgedessen umso mehr während seiner Aussage den Rezipienten positiv (als gewünschtes Vorzeichen) beeinflussen.
Dem Rezipienten kommt in erster Linie die höchstmögliche Sprech-(Schreib-)präzision in der Aussage zugute (der Aussagende meint genau das, was er sagt bzw. schreibt). Der Rezipient kann sich auf diese Weise ausschließlich mit dem Thema befassen und muß sich nicht zusätzlich im selben Hör- oder Lesevorgang mit irgendwelchen Befindlichkeiten des Aussagenden auseinandersetzen.
Ist eine Wissensbreite und -tiefe nicht gegeben, so äußert sich der Aussagende zu 100% unglaubwürdig; er treibt eine bloße Behauptung mit bestenfalls zufälligem Teilwahrheitsgehalt – ein von beiden Seiten gefürchteter Vorgang, der die Reputation des Aussagenden beschädigt.
Deshalb sind eine echte emotionale Äußerung, die einen emotionalen Vorgang betrifft, und auch eine echte rationale Äußerung, die sich z. B. auf einen objektiv-wissenschaftlichen Vorgang bezieht, die am meisten glaubwürdigen Aussagen.
Das bisher Dargestellte ist eine gute Vorbereitung dafür, daß ein Individuum sich wichtige Wünsche erfüllen kann, die normalerweise jeder erwachsene Mensch in sich trägt (in Klammern Idealwerte): (unvermessene) Selbstsicherheit, (vorurteilsfreies) Beurteilungsvermögen, (aussageninhaltsbezogene) rhetorisch relevante Fähigkeiten und (weder Dünkel noch Arroganz erzeugende) gesellschaftliche Anerkennung.
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