Sprachpräzision... 
– Korrekturen vorbehalten –

Im allgemeinen Sprachgebrauch artikuliert man sich oft „unscharf“, d.h. ähnlich dem Gemeinten, nicht gleich dem Gemeinten, und wir deuten Artikuliertes auch so (zum Beispiel um das Gemeinte daraus zu erfassen). Es ist erstaunlich, daß durch unpräzise Geäußertes nicht mehr Unheil „passiert“ als Unheil „passiert“.

Unschärfe (Mehrdeutigkeit)
Diese Kurve zeigt die Wahrheit dessen, was durch sie dargestellt wird, ungenau.

Harmloses Beispiel für ein Mißverständnis: „Mit S., W. und F. haben wir drei deutsche Springreiter unter den Ersten der Europa-Rangliste“ – es waren nur diese drei Sportler gemeint, geäußert sind aber sechs; außerdem kann es weder drei noch sechs Erste in einer Rangliste geben (nur einen, oder mehr als einer erreichten dieselbe Punktezahl).

In wissenschaftlichen Disziplinen soll Gleichheit von Geäußertem und Gemeintem bestehen, doch ist Ungleichheit oft auch hier zu entdecken. Die Unterschiedlichkeit zwischen Aussage A und Meinung M weist den „wissenschaftlichen Aussagefähigkeitsgrad a = A / M“ desjenigen aus, der sich äußert. Eindeutigkeit ist gefordert, damit allein der wirkliche Wissensstand des sich Äußernden als Grundlage für Dialog und Kritik dient. Hierzu gehört das Unterlassen von sprachlicher Schluderei, Widersprüchlichkeit, Gegensätzlichkeit, das Vermeiden von Floskel, Marotte, Verdoppelung, Pleonasmus, Wunschdenken, usw.; denn die Diskussion einer wissenschaftlichen Aussage soll die Untersuchung dafür sein, daß Wissensdefizit erkannt und – das natürliche Streben intelligenter Menschen – abgebaut wird.

Präzision (Eindeutigkeit)
Diese Tabelle zeigt die Wahrheit dessen, was durch sie dargestellt wird, genau.

Was soll der Rezipient von Wort- und Textaussagen wie „Eineindeutigkeit, ungleich größer, identisch mit, keiner kann, unzweideutig, vorprogrammiert, unwahrscheinlicher, Unmenge Geld, usw.“ (siehe unten) halten, wenn er den Textstellen die beschriebene Wahrheit einer Sache entnehmen will und nicht irgendeine Befindlichkeit des Verfassers? Ein ernstzunehmender Denkfehler ist ja erlaubt, ein vermeidbares Abschweifen vom Eigentlichen ist nicht erlaubt. Für Journalisten hat Wolf Schneider („Deutsch für Profis“) hervorragende weitere Beispiele herausgebracht, die den Rezipienten irreführen (können).

Wissenschaft ist zunächst und in weitester Bedeutung der Inbegriff dessen, was „man weiß“, ist also der „durch Schrift und Lehre überlieferte plus der im einzelnen Bewußtsein vorhandene Schatz an Wissen (als objektive und subjektive, auf ausreichender Begründung beruhende Überzeugung vom Bestehen wirklicher Sachverhalte, Vorgänge und Dinge)“. Die Differenzierung dieses komplexen Bereichs erfolgt nach Real-, Ideal-, Geistes-, Sozial-, Naturwissenschaft etc.; allgemein soll Wissenschaft wertfrei, ihre Objektivität das einzig Verpflichtende sein. Dazu gehört die emotionslose, auf eindeutige Erfaßbarkeit durch den Rezipienten zielende Beschreibung des Gewußten.
Mehr wissen ist besser aussagen können
Einwirkungen beeinflussen eine Wissensaussage
Als ein Input für Wissenschaft gilt Wissensermittlung durch Forschung zwecks Wissensvermehrung mit qualitativer Wissensvertiefung (neu wissen, anders wissen, klar wissen, Erkenntnis), als ein Output gilt Wissensvermittlung durch Lehre zwecks Wissensverbreitung mit quantitativer Wissenserweiterung (neues Wissen, anderes Wissen, Neues wissen, Anderes wissen, Kenntnis).
Es ist evident, daß Denk-, Sprech-, Schreib- und Deutungspräzision von größtem Nutzen für Wissensvertiefung und Wissenserweiterung sind.
Der Überzeugung, vom Bestehen wirklicher Vorgänge zu wissen, sind Denkgebäude abträglich, die im Bewußtsein entstehen, ohne daß diesem Bewußtsein die Basis für den Sachverhalt extern – als erster Informationsinput – zugetragen wurde. Werden rein intern erzeugte – extern irreale – Denkergebnisse in Vorstellungen induziert, die sich auf die vom Aussagenden unabhängige Welt beziehen, dann können Ableitungen daraus verheerend reale Folgen nach sich ziehen. Darum ist es oft mit großem Denkaufwand verbunden, das geäußerte Wissen „eines anderen“ – neben der Prüfung auf immanente Widerspruchsfreiheit – auf die Freiheit von subjektiven Intentionen zu untersuchen.
Eine subjektive Intention besteht beispielsweise dann, wenn jemand nur darum die „Unerklärbarkeit der letzten Wahrheiten des Seins“ behauptet, weil er die Existenz von „räumlichen Zwei-Dimensionswesen unterstellt, die sich drei räumliche Dimensionen nicht vorstellen können“ – er will seinem Mitmenschen „das Unvermögen nachweisen, sich vier oder mehr räumliche Dimensionen vorzustellen, obwohl es sie mathematisch gibt“ (ein mathematisches Ergebnis als Folge von rein internen Denkvorgängen beweist nicht immer eine externe Wirklichkeit). Zweidimensionale „Wesen“ können weder etwas noch können sie etwas nicht, es gibt sie nur nicht (siehe „Physik“ auf dieser Web Site).
Was soll der Rezipient von Wort- und Textaussagen wie „Eineindeutigkeit, ungleich größer, identisch mit, keiner kann, unzweideutig, vorprogrammiert, unwahrscheinlicher, Unmenge Geld, usw.“ halten, wenn er den Textstellen die beschriebene Wahrheit einer Sache entnehmen will und nicht eine Befindlichkeit des Verfassers? Ein ernstzunehmender Denkfehler ist ja erlaubt, ein vermeidbares Abschweifen vom Eigentlichen ist nicht erlaubt. Für Journalisten hat Wolf Schneider („Deutsch für Profis“) hervorragende weitere Beispiele herausgebracht, die den Rezipienten irreführen (können).
Mit Begriffen wie „Eineindeutigkeit“ ist jemandem, der logisch begründbare Kenntnisse erwerben will, nicht geholfen, es ist die Eindeutigkeit, fertig. Eindeutigkeit ist nicht steigerungsfähig. Eine zweistellige Relation gilt zwar als eindeutig, wenn R(x,y) und R(x,z) gilt, so daß y = z; ist x beispielsweise mit y und mit z verheiratet, so muß y mit z identisch sein – aber halt: nur im Falle einer Gesetzgebung zur Monogamie, sonst nicht, und so ist diese Relation zwingend nicht eindeutig. Sie ist erst eindeutig, wenn zusätzlich R(x,y) und R(z,y) gilt, so daß x = z, also x, y, z dasselbe Element darstellen. Wegen der Voraussetzung im ersten Fall darf man hier bestenfalls sagen eindeutig unter V. Daß 3 < 4 < 5, ist eindeutig. Ist a ein Vater, b sein leiblicher Sohn, und bedeutet R die zweistellige Relation älter, dann gilt eindeutig R(a,b).
Größer ist immer ungleich, identisch sein bezieht sich nur auf sich selbst (zwei Sachen können einander gleich sein und wenn nicht, sind sie ungleich und bestenfalls einander ähnlich). „Keiner“ kann weder etwas noch kann keiner etwas nicht, „keiner“ ist nicht, um zu können (wenn von drei Leuten „keiner der drei“ eine Handlung ausübt: ist da noch ein vierter, der dann allerdings nicht „keiner“ ist?). Unzweideutig ist alles andere „deutige“ außer zweideutig, also eindeutig, dreideutig, usw.; vorprogrammiert ist programmiert – ein Programm steht immer vor einem realen Ablauf gemäß diesem Programm. Unwahrscheinlicher als unwahrscheinlich gibt es nur nicht – es gibt wahrscheinlicher, jedoch ist unwahrscheinlich gleichbedeutend mit nicht wahrscheinlich, was sollte da „noch mehr nicht wahrscheinlich“ sein können. Und „letzten Endes“ (auch so ein überflüssiger Zwei-Wort- Begriff, eine Tautologie) möchte ich eine Unmenge Geld nur nicht besitzen – wovon sollte ich leben?... abgesehen davon, daß eine Unmenge Geld den immanenten Widerspruch birgt, nicht Geld zu sein: „null Geld“ ist nicht Geld.
In den Texten auf dieser „Web Site“ (auf diesem Platz, dieser eindeutig auffindbaren Stelle im „www“, und nicht nur auf dieser Seite, die eine „Web Page“ ist) werden sich noch manche unpräzise Aussagen finden lassen. Ich bitte um Nachsicht, ich aktualisiere turnusmäßig.
Es ist ein Zeichen des Erfahrungswissens, vom studierten Wissen gelöst, wenn Karl R. Popper (1902-1994) ableitet, daß Wissenschaft sich vom dichterischen Mythos aus (wie auch Kunst sich hieraus formte) durch jene rationale Kritik entwickelte, die danach fragt, in der „Idee der Wahrheitssuche“ die Welt zu erklären – mit den Grundfragen Kann es wahr sein? Und Ist es wahr? Er fordert die Suche nach den Antworten in ethischer Verantwortung und bekämpft die wissenden Schwätzer (ob akademisch ausgebildet oder nicht).
Die Präzision einer Aussage muß zunehmen, je mehr die Aussage das Denken oder Tun eines anderen Menschen aufgrund dieser Aussage beeinflussend steuert.