Zu meiner Kritik an einem Stephen W. Hawking-Text:
Eine Gegenkritik des Physikers Richard Koellner
und meine Antwort
Veröffentlichung mit Erlaubnis von R. Koellner, 08/2002
Empfehlung an den Leser: Nehmen Sie dieses „sympathische Streitgespräch“ einmal ohne Vorbehalt in sich auf.
Festlegungen:
Braun = Hawking-Aussagen. Grün = mein Vorwort zur Kritik an Hawkings Text oder meine Kritik an seinem Text.
Blau = Gegenkritik von Richard Koellner.

Rot = meine Antwort darauf.

Was wären wir ohne Argument und Dialog
Für jede Verbesserung der Plausibilität meiner Aussagen bin ich dankbar.
1.     
Hallo Herr Andersen, ich bin mehr zufällig über ihre Website gestolpert und weiß deshalb nicht, ob Ihr Inhalt noch aktuell für Sie ist.
Normalerweise würde ich als Physiker nicht unbedingt auf solche Texte antworten, denn Auseinandersetzungen damit sind nicht immer erfreulich. Zu viele Verfasser beharren unter allen Umständen auf ihrer Meinung und sind durch nichts in der Welt zu Diskussionen zu bewegen.
(Anmerkung ERA: Zu viele Menschen verharren in ihrem geschlossenen System, obwohl „Alles = alles, was es gab, gibt und geben wird“ offen ist)

Hallo, lieber Richard Koellner, ganz dicken Dank für Ihre lockere, humorige Reaktion auf all meine Zeilen, derentwegen die Welt weder zu wackeln noch unterzugehen beginnt.
Ich darf mir Zeit nehmen, zu einigen relevanten Punkten nicht ein Kontra um jeden Preis, nur eine jeweilige Grundsatzaussage zu formulieren.

Aber Sie schreiben ja, dass sie zu Diskussionen bereit sind. Ich versuche deshalb mal den Standpunkt eines Physikers zu diesem Text darzulegen.
Haben Sie Interesse? Wenn nein, dann brauchen Sie nicht weiter zu lesen. Ich bin Ihnen nicht böse deswegen.

Keinesfalls ein Hin und Her (siehe Hinweis über 1.), aber Sie haben so schöne Argumente, denen m. E. entgegnet werden sollte. Mein Interesse ist „Geistesgrenzen sprengen“.

2.  
Die erste Vor-Aussage hierzu: Allen Menschen, die ihren Intellekt benutzen, um wertefrei und uneigennützig "den Wahrheiten der menschungemachten Welt und den diesen Wahrheiten zugrunde liegenden Voraussetzungswahrheiten" auf die Spur zu kommen, zolle ich meinen höchsten Respekt. Die zweite Vor-Aussage: Obwohl einem Wissenschaftler "das Wissen von einer Sache als die erfaßte Wahrheit dieser Sache" unterstellt werden muß, das er auch fehlerfrei beschreiben kann, findet man nicht selten in wissenschaftlichen Texten Ungenauigkeiten und Widersprüche. Das kann in der Unfähigkeit liegen, die Wahrheit einer Sache mitsamt der Voraussetzung für diese Wahrheit eindeutig zu erklären. Es kann aber auch daran liegen, daß dem "Wissen von der Sache" die Wahrheit dieser Sache noch nicht in ihrer Ganzheit innewohnt.
Ich muss Ihnen hier schon die erste Enttäuschung bereiten :-)

[ ist aber keine ;-)) ].

In der Physik ist der Anspruch nicht unbedingt die "Wahrheit an sich", sondern das Ziel ist eine möglichst plausible und nachvollziehbare Erklärung der Beobachtungen.

Jeder Philosoph wird Ihnen bestätigen, dass das ein großer Unterschied ist.
Ich gebe allerdings zu, dass manche Physiker tatsächlich noch diesen Wahrheitsanspruch haben, aber deren Zahl nimmt beständig ab.

Macht ja auch Freude, mehr zu bedenken als den tagtäglichen Tag.

Das Ziel einer für andere erfaßbaren Erklärung von Beobachtetem ist ein erstrebenswertes Ziel und dieses Streben ist eine der höchsten menschlichen Fähigkeiten, warum die Physiker einen Beruf ausüben, der mit Recht zu den angesehensten gehört.
Ein Physiker sollte sich nicht durch eine weniger präzise Erklärung begrenzen als sie abgebbar ist. Die vom und über den Gegenstand beobachter-extern ausgehenden Informationen erlauben allerdings eine Beschreibungspräzision nur bis hin zu einer natürlichen, nicht mehr weiter einengbaren Resttoleranz.
Weil nun die meisten Menschen „Weisheit lieben“ als die richtige Einschätzung der Dinge, der Lebenshaltung und der Handlungsweisen, ist Philosophie der „Grund aller Grundlagen“, und die Aussage „die meisten Menschen“ enthält die Aussage „die meisten Physiker“.

3.    
Bemerkungen zu bestimmten Äußerungen des Physikers Dr. Stephen Hawking (*1942).
Sir Bertrand Russell (1872-1970) setzte Widersprüchlichkeiten in die Welt, die nur scheinbar solche sind.
Beispiel: "Die Menge M aller Mengen M', die sich nicht selbst als Element enthalten, kann auch sich nicht selbst enthalten, muß also einbezogen werden; damit aber muß sie sich selbst enthalten. Ist nun M nicht Element von M, so folgt: M ist Element von M; ist aber M Element von M, so folgt: M ist nicht Element von M – ein Widerspruch.
Nun ist ein Apfel nicht eine Menge von Äpfeln, aber Äpfel sind eine Menge von Äpfeln. Die Menge eines Apfels gibt es nur nicht – ein Element für sich bildet nicht eine Menge. Eine Menge braucht mindestens zwei Elemente. Sie kann folglich nicht Element sein, sondern muß aus Elementen bestehen, läßt sich jedoch in Teilmengen aufteilen. Aber auch jede Teilmenge muß mindestens zwei Elemente enthalten. Ein Element für sich kann nicht Teilmenge sein.
Ein Element der Menge "Obst" könnte aus einem Apfel und einer Birne bestehen (nicht weniger). Darum ist Obst eine Menge von Obst ohne inneren Widerspruch.
Das ist ja komisch. 
Hewlett-Packard Graphics Gallery 1986
Siehe
4.: Zu J. Ortega y Gasset
Die Russellsche Menge wird von den Mathematikern "Unmenge" genannt (da sage einer noch, Mathematiker hätten keinen Humor). Tatsächlich ist das ein reines Gedankengebilde: In allen praktischen Fällen ist eine Menge eine Art Behälter für irgendwie gleichartige Objekte. Diese Objekte können auch Behälter, also Mengen, sein, aber ein Behälter, der sich selbst enthalten kann, hat keine praktische Relevanz (obwohl man ja mal schauen kann, welche Folgerungen sich daraus ergeben würden). Eine Menge von Äpfeln ist also so eine Art Apfelkörbchen. Obwohl der Vergleich mathematisch gesehen hinkt, können wir uns ja mal vorstellen, wir hätten einen solchen Korb mit der Aufschrift "Äpfel" (Plural als generische Angabe). Wieviele Äpfel müssen nun mindestens drin sein, damit es weiterhin ein Apfelkorb bleibt? Zwei? Einer? Keiner? Für mich wäre es auch dann ein Apfelkorb, wenn gar kein Apfel mehr drin ist (= die leere Menge). Aber vielleicht denke ich zu mathematisch. Wie in vielen Fällen ist hier die mathematische Definition einer Menge von der umgangssprachlichen Definition disjunkt. Dasselbe passiert uns Physikern auch immer wieder, schon bei so trivialen Begriffen wie Masse und Arbeit. Daher muss man bei der Diskussion mit uns Physikern immer danach fragen, wie sie einen Begriff, den sie benutzen, definiert haben. Genau das ist ein Hauptproblem bei sogenannten populärwissenschaftlichen Darstellungen.

Unmenge („Menge null“) ist nicht Menge. Keine Menge = eine Menge ist „dummes Zeug“, doch Gedankengebilde belustigender Art sind ja zulässig, nur nicht dann, wenn „unwissenschaftliche Leute“ den Wortespaß als eine „wirkliche Sache außerhalb von ihnen“ unterstellen würden (sie fühlten sich dann irgendwann „verscheißert“).
Ein (auch nur ideeller) Behälter enthält (ideelle) Gegenstände [z. B. (ideelle) andere Behälter], ist aber nicht für sich Menge: Er ist nur eines, nämlich z. B. Apfelkorb. Doch besteht das Gesamte aus dem, was er enthält, und aus sich selbst, und darüber wird auch Information abgegeben. Der leere Apfelkorb enthält zwar nicht Äpfel, aber doch Gas oder Bauklötzchen :-) und bleibt trotzdem Apfelkorb, weil wir ihn so nennen, auch wenn er nicht Äpfel in sich trägt (und egal, ob Mathematiker „leere Menge“ sagen). Der (auch ideelle) leere Apfelkorb kann aber die (ideelle) Menge seiner ihn ausmachenden Materialelemente darstellen.
Im Gegensatz zu Philosophen können Physiker durchaus in kurzen, knackigen Worten ihre Begriffsdefinitionen deklarieren, um dann konsequent dabei zu bleiben, was dem Laien dienlich ist (der Fachmann hat in seiner populärwissenschaftlichen Veröffentlichung dem Laien zu dienen). Warum Brötchen, Semmeln, Schrippen für dieselbe Sache! Der Physiker ist nicht ein die Kunden am Tresen verwirrender Bäcker. Kluge Laien wollen sich ernsthaft klüger machen lassen, wenn sie sich wissenschaftliche Darstellungen verinnerlichen, sie sind nicht bloße Frühstücksverdauer. Ein vom scharfen Negativ unscharf abgezogenes Foto wirft man dem schlampigen Fotografen vor die Füße. Sprachpräzision ist wissenschaftlich geboten, das hat mit Sprachpurismus nichts zu tun, aber mit Denkdisziplin.

4.    
Russells Gedankenspielerei läßt sich – ähnlich dem "runden Quadrat" des José Ortega y Gasset (1883-1955) – nicht in eine verifizierbare "externe Dinglichkeit" übertragen, sondern sie entstammt einer Idee an sich, ist nicht externe Sache, deren Informationsdaten unabhängig von uns an uns herangetragen werden.
Erdenkt sich Stephen Hawking (wie andere vor ihm) eine Welt der Zweidimensionalität (er schreibt:
allerdings: "...zwei Dimensionen scheinen für die Entwicklung so komplizierter Wesen, wie wir es sind, nicht auszureichen"... scheinen?), so ist eine solche Welt real nur nicht gegeben, weil nur nicht möglich. Mindestens eine Atomlage in Z-Richtung ist vonnöten, um XY da sein lassen zu können – ohne Z weder X noch Y, weil es Nullebene nur nicht gibt; also: ein dingliches Etwas ohne Z- oder andere Achse ist nur nicht. Die Hawking'sche Darstellung des zweidimensionalen Tieres ist ein so schlichter Unsinn, wie dem menschlichen Denken eben Unsinn entspringen kann (und darf, doch stellt es dann nicht Wissenschaft dar).
Die Z-Achse auch in Höhe nur einer Atomlage bedeutet die dritte räumliche Dimension; sie ist notwendig und darum gibt es sie. ... Hawking schreibt:
Die Oberfläche der Erde ist zweidimensional, weil sich die Position eines Punktes durch zwei Koordinaten angeben läßt – eine Unsinnsbehauptung: allein die Wölbung der irdischen Oberfläche beweist Dreidimensionalität; eine Angabe der Punktposition [was ist Punkt(!)] hat mit dem "Punkt" physikalisch nichts zu tun. Aber ein auch noch so dünnes Blatt Papier, auf dem zwei Koordinaten und ein "Punkt" noch so dünn aufgetragen sind, besitzt notwendig seine Z-Achse.
Ich fürchte, Sie haben zu viel Geheimnis in die Dimensionalität hinein gesteckt. An sich ist das in der Physik eine eher triviale Sache: Wenn zwei Koordinaten ausreichen, um den Ort eines Objekts in dem betrachteten Grad der Genauigkeit des Modells zu beschreiben, so ist der Ort zweidimensional. Wenn mich bei einem Auto nur die geografische Breite und Länge interessiert und ich weiter von dem Auto nichts wissen will, so reichen zwei Koordinaten aus, und damit ist die Problemstellung aus der Sicht der Physik zweidimensional.Wenn Sie die Lage eines Massepunktes (wieder so eine Vereinfachung) im Raum wissen wollen, brauchen Sie drei Koordinaten. Wenn es kein Massepunkt ist, sondern ein starrer Körper (auch eine Vereinfachung), brauchen Sie noch drei Koordinaten mehr, denn der Körper kann ja um drei Achsen rotieren, also ist das Ganze sechsdimensional. Wenn Sie die Lage des Menschen mit allen Gelenkfreiheitsgraden beschreiben wollen, brauchen Sie, wenn ich richtig gezählt habe, 24 Koordinaten (Finger und Zehen mal weggelassen), somit ist das Problem 24-dimensional. Wenn Sie alle Atome eines Liters Helium beschreiben wollen, brauchen Sie ca. 3 mal 10 hoch 23 Dimensionen, und das ist ein bisschen viel für einen durchschnittlich begabten Physiker :-), deshalb neigen wir zur vereinfachenden Modellbildung. Wir sind uns aber – meistens – dieser modellimmanenten Beschränkungen bewusst.

Wenn zwei Koordinaten ausreichen, um den Ort eines Objekts in dem betrachteten Grad der Genauigkeit des Modells zu beschreiben, so ist der Ort zweidimensional – nee, nee, das ist er eben physikalisch nicht, er wird nur (zulässigerweise) als ein solcher benutzt – ein Unterschied gegenüber der Wirklichkeit (das gilt genauso für „das Auto“).
Will ja auch bloß sagen:
Den „zweidimensionalen Ort“ bei Hinnahme einer größeren Ungenauigkeitsbandbreite gegenüber der eigentlichen darf es ja gern „geben“ – so gehen auch die Ingenieure bei bestimmten Aufgabenlösungen legitim damit um – aber der interessierte Laie (ein uninteressierter ist uninteressant) muß auf die gedanklich-pragmatische Abrundung hingewiesen werden, und sei es per Fußnote. Der Fachmann ist es ihm schuldig.
Vereinfachungen müssen als Vereinfachungen deklariert sein.
Und so deklariere ich hier den Begriff „Dimensionen“ zum Begriff „Grunddimensionen“, also zu den drei Grundausdehnungen X, Y und Z jenes Raumes, in dem ein Körper überhaupt erst n-dimensional rotieren kann.
Physiker, Ingenieure usw. sind sich (meistens) ihrer modellimmanenten Beschränkungen bewußt (Philosophen meistens nicht – oh, oh!), das alles ja, aber den Rezipienten einer populärwissenschaftlichen Erklärung dieses Bewußtsein nicht zukommen lassen heißt, einen in aller Regel ernsthaften Menschen in die Irre führen, was „unter Strafe müßte“ – oh,oh! Nein, ich nehme alle Oh, Ohs zurück.Vor allem auch wegen der 3 mal 10 hoch 23 Dimensionen :-)) [ich kenne viele (auch nachhaltig befreundete) Physiker – sie haben mein Ingenieursdasein über Jahrzehnte hinweg umgeben, bereichert, drangsaliert, konkretisiert, haben mich erfreut und genervt und vice versa, und alle, alle wollten diese gehirnimmanente Dimensionsrechnerei in all ihren Ordnungen mit großer Hingabe und Abgabeliebe den Mathematikern überlassen].

5.    
Sein Wissen von der Wahrheit einer Sache muß der Mensch dann eindeutig und ohne jeden emotionalen Einfluß erklären, wenn der Rezipient diese Wahrheit unverfälscht erfassen können soll (je höher der emotionale Einwirkungsgrad, desto weniger wahrscheinlich der gänzliche Wahrheitsgehalt). Selbst wenn Hawking sagt, daß wir heute wissen, daß "kein unendliches, statisches Modell des Universums denkbar ist, in dem die Gravitation durchgehend anziehend wirkt", so muß man sofort konstatieren, daß kein Modell niemals überhaupt denkbar ist. Kein Licht kann man auch nicht einschalten oder ausschalten. Es ist notwendig, eine Wissensaussage eindeutig zu formulieren, und dann bleibt die Frage nach dem Wissen an sich noch übrig.
Die Frage nach dem "Wissen an sich" würde ich, wie oben schon anklang, lieber den Philosophen überlassen.

Ha, den Philosophen! Und überlassen! Wir überlassen viel zu viel, statt selbst die Grenzen zu überwinden. „Den Philosophen überlassen“ ist so viel wie „den Ideologen überlassen“ – wobei z. B. die Politiker ja noch auf jeden einzelnen „irgendwie“ einwirken, die Philosophen so gut wie überhaupt nicht (wieviel Menschheitsprozent erfaßt Philosophenäußerungen?).
Übernehmen wir doch alle Fragen, so viele von uns wie möglich, und benutze ein jeder dafür das Wissen anderer, um es für die eigene Wissenserweiterung und -vertiefung nach Prüfung zu verwenden.
Philosoph Popper nennt Philosophen Schwätzer, natürlich nicht jeden, und auch nicht jeder Politiker ist ein solcher. Wissen an sich ist natürlicherweise intelligenzwesenbezogen (nicht allein menschbezogen). Wissen ist „das, was ich weiß“. Man sollte stets fragen: „Wovon wird wahr ausgesagt“ (Albert Menne).

6.    
Es besteht keine Notwendigkeit, schreibt Hawking, einen Äther anzunehmen, dessen Existenz sowieso nicht nachgewiesen werden könnte, wie das Michelson-Morley-Experiment gezeigt hat. – Wenn Äther nicht da, dann ist die Aussage "dessen Existenz" falsch, oder er ist, dann besteht Notwendigkeit, ihn anzunehmen, um danach zu forschen. Besser: Äther gibt es nur nicht, wie Michelson und Morley es bewiesen. Außerdem kann "keine Notwendigkeit" nicht bestehen.
Hinter "keine Notwendigkeit" verbirgt sich ein Prinzip der physikalischen Erkenntnistheorie (wenn es sowas geben sollte), das übrigens bis auf William von Occam zurückzuführen ist: Wenn man etwas nicht braucht, um ein Problem zu erklären, so ist es im Sinne der Physik nicht existent. Da sich der elektromagnetische Äther weder nachweisen lässt noch zur Erklärung des Experiments notwendig ist, existiert er für uns Physiker nicht.

Der Trend auch der Physiker, immer mehr von Theorien wegzugehen und sich abstrakt- gesetzmäßige Zusammenhänge durch Modelle vorzustellen, verhindert nicht, daß auch Modelle stets als erstes von Theorien getragen sind (wie auch anders). Modell und Theorie müssen gleichermaßen widerspruchsfrei sein [Streben nach Wahrheit – eine philosophische Grundforderung und warum rationale Vorgänge stets philosophisch unterlegt sind, ja, Philosophie als Voraussetzung für sich haben (sic!)]. – „Existiert für uns Physiker nicht" schränkt Geist ein, „existiert nicht“ ist besser (wenn's denn auch so ist).

7.    
Da die Geodäte die kürzeste Verbindung zwischen zwei beliebigen Flugplätzen ist, wird jeder Navigator dem Piloten diese Route angeben, behauptet Hawking. Er sollte aber wissen, daß dies nur im Ausnahmefall so ist (in reiner West-Ost- oder Ost-Westrichtung). Im Grundsatz folgt das Flugzeug einer anderen als der rein kartographierten Strecke infolge physikalischer Trägheitskrafteinwirkung, der Einwirkung durch die Corioliskraft. 
Stimmt. Ist aber kein Widerspruch, sondern ein Beispiel für die Verfeinerung einer Modellannahme. Wenn das einfache Geodätenmodell nicht ausreicht, um die Messung zu erklären, muss man eben genauer hinschauen. Weitere Verfeinerungen könnten zum Beispiel die Windverhältnisse, die Gezeitenkräfte, die Abplattung der Pole, ... sein.

Aber doch unterscheiden sich die Einwirkungen. Wind, Gezeiten, Pole müssen für einen bestimmten Flug nicht sein, Corioliskraft ist „überall auf Erden“, sofern es einen Flugwinkel gegen den Äquator gibt („Winkel null“ ist nicht Winkel), und Corioliskraft wirkt nicht am Nord- oder am Südpol (was Sie ja alles wissen). Es darf aber nicht sein, daß ein Berufspilot (auch als Nicht- Physiker) das nicht weiß, auch wenn er nur für eine kurze Strecke fliegt oder ausschließlich auf dem Äquator hin und her düst oder immer ganz, ganz stramm nur um den Nord- oder Südpol rum ;-)))

8.    
Wir müssen ... sagen, daß die Zeit mit dem Urknall begann, behauptet Hawking. Vielleicht begannen die Momente des Ereignisses "Universum", nicht aber begann Zeit. Daß der Urknall im Einklang mit der Bibel stehe, wie laut Hawking die katholische Kirche offiziell erklärte, ist aus dieser Sicht durchaus nachvollziehbar. Fragt sich bloß, wie sich Zeit schaffen läßt, obwohl im Vorgang des Schaffens Zeitlichkeit bereits gegeben ist, ja: obwohl Schaffen Zeitlichkeit braucht
Also, das Problem des Beginns der Zeit ist noch nicht ganz geklärt. Aber obwohl es erstmal gegen die Intuition ist, was spricht eigentlich gegen den Beginn der Zeit? Ich bin es gewohnt, an jedem Punkt meiner gewohnten Umgebung nach Norden gehen zu können, aber wenn ich erst mal am Nordpol angekommen bin, dann ist auch damit Schluss. 

Weil nicht nur Nacheinandersein, sondern auch Nicht-Nacheinandersein, um „zu sein“, Zeitlichkeit und Räumlichkeit braucht, und weil Zeit und Raum ein voneinander nicht trennbares physikalisches Phänomen darstellt, können weder Physiker noch andere Menschen „Zeitbeginn“ klären, hingegen sehr wohl „Zeit-Unbeginn“.
Ihr Weg nach Norden endet irdisch bezogen am Nordpol, d. h. im geschlossenen System. Klärende Zuordnungen aus äußerer Ebene zur Verständnisvertiefung für ein System im Inneren werden durch geschlossenes Denken verhindert.

9.    
Nicht mal ein Katholik sollte mit diesem Konzept ein Problem haben, denn schließlich ist Gott ja "ewig", steht also außerhalb der Zeit.
OK, ich selbst glaube nicht an Gott, aber das ist eine andere Geschichte...  

Außerdem steht „ewig“ nicht außerhalb von Zeit, sondern hat zeitlichen Charakter, ist nur, aber ist. Was ist, befindet sich in seiner Gegenwart – das bedeutet „immanente Zeitlichkeit“.

10.    
Die elektromagnetische Kraft ist ungefähr eine Million Millionen Millionen Millionen Millionen Millionen Millionen mal größer als ... - was für eine Darstellung. Später wieder: ... ungefähr eine Million Millionen Millionen Millionen Millionen Millionen Millionen Millionen Millionen Millionen Millionen Jahre ... dauern würde ... - wissenschaftlicher Text? 
Nein, eine unkritische Übersetzung aus dem Englischen. Ein Deutscher würde sich so nicht ausdrücken. Aber in einem populärwissenschaftlichen Text hätte ich damit auch kein allzu großes Problem. 

Zu populärwissenschaftlichen Texten siehe oben: Man darf erwachsene Leute nicht verscheißern. Auch ein Übersetzer nicht. Es gibt genug andere Medien, über die das getan wird. Der „eine bestimmte Sache besser Wissende“ ist dem weniger Wissenden auch in der Form der Darstellung Seriosität schuldig, nicht nur im glaubwürdig zu haltenden Inhalt.

11.    
Sterne dagegen, deren Masse über dem Chandrasekharschen Grenzwert liegen, stehen vor einem großen Problem... - ob sie um Himmelswillen damit fertig werden? ... In einigen Fällen explodieren sie, oder es gelingt ihnen... – den Sternen gelingt etwas? ... Es wird schwieriger für das Licht, dem Stern zu entkommen – armes Licht! 
(*Leichtes Grinsen*) Wir Physiker neigen manchmal dazu, unbelebten Objekten, die sich verändern, solche menschlichen Eigenschaften zuzuweisen. Genau wie ein Biologe z.B. Ameisen einen Willen zuschreibt, obwohl er genau weiß, dass sie nur affektgesteuert sind. Ich plädiere für Nachsicht. 

Jaja, das beliebte Anthropomorphisieren, das bequeme Hypostasieren... ich liebe es ja auch, wenn ich Grimms Märchen oder Christian Fürchtegott Gellert vor mir habe – ich plädiere folglich ebenfalls für Nachsicht, und trotzdem...
Lebewesen stellen andere Systeme dar als explodierende Galaxien. Der unbedarfte Leser möchte von den Sternenhaufen etwas wissen.

12.    
Man könnte einen Gegner elegant aus dem Weg räumen, indem man sich in die Vergangenheit begibt und dessen Vater oder Mutter zur Strecke bringt, bevor sie ihn zeugen – und so etwas liest man in einer zunächst seriös anmutenden Veröffentlichung. 
Hier nimmt sich Hawking eines beliebten Themas aus Science-Fiction-Romanen an. Hat mit ernsthafter Physik zugegebenermaßen wenig zu tun, ist aber ganz amüsant und macht Spaß darüber nachzudenken. 

Wat is denn nu, würde der Berliner fragen: Science fiction oder science of reality? Das erste kann amüsant sein, das zweite darf es ebenfalls sein, aber nicht, um die Leute zu ver...
gut, gut, ich wiederhole mich. Hawking will doch auch ernstgenommen werden, oder!

13.    
Ein solcher Zustand ist weniger geordnet oder ungeordneter als der ursprüngliche Zustand – ungeordneter als ungeordnet gibt es nur nicht
Da müssten Sie mal den Zustand der Zimmer meiner Kinder sehen, da merken Sie schon, dass es verschiedene Schweregrade von Unordnung gibt ;-)
In der Physik ist es ähnlich, das Maß für Unordnung ist die Entropie. Nur (siehe oben), die physikalische Definition ist vom alltäglichen Begriff der Unordnung etwas abweichend. 

Der Kinderzimmerhinweis ist schön, aber den Leser dazu zwingen, ständig nur im Kontext zu denken, um daraus mit erweitertem Halbwissen entlassen zu werden...
Zur Sprachpräzision:
Ungeordnet heißt nicht geordnet, wie will man „nicht geordnet“ steigern? Nichter geordnet? Ich appelliere an Rücksicht auf den wissenschaftlichen Aussagegrad
a = A / M (a sollte 1 sein. A = Aussage, M = Meinung in der Aussage = das Gemeinte in ihr).

14.  
... hatte das Universum zum Zeitpunkt des Urknalls die Größe Null und war deshalb unendlich heiß... mit der Ausdehnung ... mußte die Temperatur abnehmen; eine Sekunde nach dem Urknall war sie auf ungefähr zehn Milliarden Grad gefallen – in Größe Null unendlich heiß = sehr interessant, dieser Widerspruch in sich selbst; außerdem ist Größe Null nicht Größe; von Unendlich auf zehn Milliarden ist dasselbe wie von Unendlich auf zehn hoch x (x kann jeden Wert annehmen). 
"Unendlich" ist hier als Grenzwert zu verstehen. Wenn wir in diese und jene Formel für die Weltentwicklung die Zeit t=0 einsetzen, werden bestimmte Parameter unendlich groß, zum Beispiel die Temperatur. Allerdings ist es so, dass diese Formeln in der Nähe des zeitlichen Nullpunkts ihre Gültigkeit verlieren, daher ist der Begriff einer unendlichen Temperatur wahrscheinlich nicht haltbar. Wenn ich es genauer wüsste, wäre ich wahrscheinlich ein Anwärter auf den Nobelpreis. 

Wer die Aussage trifft, daß Unendlich = Nur-Da-Sein (rand- und strukturlos, ohne inneren Wandel), kann „Begreiflichkeit“ erreichen (ich sage z. B.: Alles = alles, was es gab, gibt und geben wird ist „nur da“).
Aber davon abgesehen: ganz sicherlich muß z. B. Zeit nach Moment und Dauer differenziert werden (da gibt es anschauliche Beispiele), wozu als Drittes ein Potential hinzukommt (ich nenne dieses Zeit), wodurch Momente durch Dauer getrieben werden. Ich weiß, das wird als Spekulation angesehen (noch).
Ihr t = 0 wäre bei mir ein Anfangsmoment, nicht eine Anfangszeit. Insofern gibt es einen „Zeit-Nullpunkt“ physikalisch nicht.

15.    
Wenn das Universum ... räumlich unbegrenzt ist oder es unendlich viele Universen gibt, so würden wahrscheinlich irgendwo einige [zwischen unendlich(!) vielen "Universen"] große Regionen existieren, die wirklich gleichmäßig und einheitlich begonnen haben ...ähnlich Affen, die auf Schreibmaschinen herumhämmern; was sie schreiben, wird größtenteils Unsinn sein, doch in ganz seltenen Fällen (!) werden sie durch reinen Zufall (!) ein Shakespearisches Sonett zusammentippen. – Sie könnten auf ewig herumhämmern und tippten das Sonett nicht zusammen! 
Genauer gesagt: Wenn die Zeit, in der sie tippen, gegen unendlich geht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Shakespeare oder Schiller heraus kommt, gegen 100%.
Gedankenexperiment: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Überschrift "Romeo und Julia" irgendwann im Text erscheint? Nun, ein "R" kommt irgendwann mit der Wahrscheinlichkeit 1 zu 23 vor, ein "Ro" mit der Wahrscheinlichkeit 1 zu 23 hoch 2, ein "Rom" mit der Wahrscheinlichkeit 1 zu 23 hoch 3 usw. Für den Text "Romeo und Julia" ergibt sich dann eine Wahrscheinlichkeit von 1 zu 266635235464391245607. Ok, ist ziemlich gering. Aber wenn Sie einen Affen 266635235464391245607 echt zufällige Versuche machen lassen, so spricht viel dafür, dass dieser Text mal dabei ist. Wenn Sie's schneller haben wollen, können sie auch 266635235464391245607 Affen jeweils einen Versuch machen lassen.
Das ist natürlich ein reines Gedankenexperiment. Soviel Futter für die Affen kann sich kein Mensch leisten. Aber von solchen Trivialitäten lässt sich ein echter Physiker ungern ablenken :-)) 

Das ist natürlich ein reines Gedankenexperiment... ja, das ist es, vor allem ein reines. Aber was hat rein subjektiv-intern kreierte Information mit Weltentwicklung zu tun? Oder anders: Was haben rein subjektiv-intern kreierte Informationen mit den externen Weltinformationen zu tun, die allein dafür „zuständig“ sind, sich selbst und irgendeinem Leser genau diese externe Welt nach bestem Wissen zu erklären? Es gibt nur eine Relevanznahme, die der Objektivität, nicht die der eigenen Neigungen und Vorlieben, oder es soll ein Märchen erzählt werden.

Hier setzt ja auch mein Hauptargument ein. Es ist Hawkings Spielerei, Fabulierwunsch, falsch eingesetzter Humor, vermeintliche Textauflockerung usw., doch verkennt er:
Er hat sich selbst aus seiner Weltbeschreibung herauszunehmen, und zwar vollständig. Allein sein Wissen hat er weiterzugeben, wie unterhaltsam auch immer und wie falsifizierbar auch immer.

Sogar die guten Schriftsteller im sogenannten schöngeistigen Bereich enthalten sich ihrer Kommentare, von denen der Leser gar nichts wissen will.

Romeo und Julia oder die Sonettprimaten gehören in ein besonderes Veröffentlichungsgenre (ich hab' ja nichts gegen Spielereien).

16.    
Nur in wenigen Universen wie dem unseren (!) entwickeln sich intelligente Wesen und fragen sich: "Warum ist das Universum so, wie wir es sehen?" Unter diesen Umständen ist die Antwort einfach: Wäre es anders, wären wir nicht da! – Diese Antwort hat mit der Frage überhaupt nichts zu tun; überdies ist das Universum nicht so, wie wir es sehen, sondern weit inhaltsreicher und grundsätzlich anders, als wir es "sehen" (messen, abschätzen, ahnen, berechnen, erinnern, denken, ...) - wir erkennen es grundsätzlich nur "unscharf". 
Das ist als anthropisches Prinzip bekannt geworden. Wenn das Universum so gestaltet wäre, dass kein Leben entstehen könnte, wäre auch niemand da, dies zu beklagen. Klingt bestechend, allerdings halte ich persönlich die physikalische Erklärungskraft dieses Prinzips für eher gering. Ist aber ganz nett für Diskussionen mit Philosophen... 

Nee, nee, da macht auch ein Philosoph nicht mit, es sei denn, er ist ein Schwätzer. Außerdem ist das Universum immer anders als wir es „sehen“ (was Sie ja nun wirklich aus besten Gründen wissen). – Hier stellt sich auch die Frage nach „Sinn“. „Im Sein sein“ = möglich sein, da sein, gewesen sein = Sinn haben (was auch sonst? Keinen Sinn haben? Tertium non datur). Wie aber Sinnerfüllung? Zur Sinnerfüllung (das eigentlich Interessante) braucht es Reflexion und das heißt Erkennen, Reagieren etc., also: „...wären wir nicht da“ ist „unphilosophisch“ = Nicht-Weisheitsliebe (sofern dieses „wirjede Art von Intelligenz meint).

17.    
Uhren, die verschiedene Beobachter bei sich tragen, müssen nicht unbedingt übereinstimmen. So wurde die Zeit zu einem persönlichen Begriff, abhängig von dem Beobachter, der sie mißt. – Der Fluß der Momente, hier "Zeit" genannt, ist allein abhängig vom Verhältnis der Geschwindigkeit des Systems, um dessen Momente es geht, zur Geschwindigkeit des Lichts. 

Anmerkung: [1 / Wurzel aus
(1 - v² / c²)] verweist auf das absolute c, für alle Systeme mit knapp 300000 km/sec physikalisch definiert.
Nicht ganz richtig. Die Zeit ist nicht "persönlich" im Sinne, dass sie von der Empfindung eines Beobachters abhängt, sondern nach wie vor streng definiert. Nur hängt sie von der Relativgeschwindigkeit zweier Bezugssysteme ab, so dass für einen Beobachter, der sich als ruhend definiert, in einem von ihm als bewegt definierten Bezugssystem die Zeit langsamer vergeht. Nachdem diese Definition umkehrbar ist, sieht's umgekehrt natürlich genauso aus. Das ist das Relative an der Relativitätstheorie. 

Nicht ganz richtig. Die Zeit ist nicht "persönlich" im Sinne... ja, ich weiß auch nicht, warum Hawking seinen Text so verfaßt hat.
Aber zur Relativitätstheorie:
In der Geschwindigkeitsabhängigkeit der Zerfallskonstanten bewegter Mesonen der kosmischen Strahlung beispielsweise wird ja experimentell bestätigt, daß für einen Beobachter die Momente mit Zunahme von v gegen c „dilatieren“, die Mesonen fliegen „weiter, als sie existieren können“ (gilt nicht für die Mesonen) – hier liegt die für uns nicht nur relativ längere Flugstrecke vor, abgesehen von c, das für jeden Beobachter und für jedes bewegte System oder Element dasselbe ist und bleibt (c' gibt es nicht).

18.    
Bevor eine Einheit im Computergedächtnis gespeichert wird, befindet sich dieses in einem ungeordneten Zustand mit der gleichen Wahrscheinlichkeit für beide möglichen Zustande. – Das ist falsch, denn vor dem Speichern relevanter Daten erfolgt eine gesteuerte Ordnung des Speicherinhaltes, und wenn nicht, dann gibt es nach der Inbetriebnahme des Computers eine hardwareabhängige Vorzugsbelegung der Speicherinhalte (meistens 1-Status). 
Ich kann Ihnen versichern, dass der Zustand mancher Speichertypen undefiniert ist, wenn man einen Computer einschaltet. Manche Speicherzellen sind nach dem Einschalten immer im gleichen Zustand, manche wechseln. Aber das ist sicher nicht der Punkt hier, diese Kritik geht am Kern der Sache vorbei. 

Ich sagte ja auch: meistens 1-Status (nicht immer).

Aber Sie haben recht:
Viele Boot-Programm-Entwickler verzichten auf die geordnete Steuerung der Speicherinhalte beim Einschalten, obwohl es „ein Klacks ist“, es zu tun.
Und dennoch: gleich ist die Wahrscheinlichkeit nicht für beide Zustände (es sei denn, man bringt wieder die subjektiv-internen Gedankenspielereien ins Spiel wie weiter oben gehabt).

19.    
... war der Anfang der Zeit ein regelmäßiger Punkt der Raumzeit (!), und das Universum hat seine Ausdehnung in einem sehr gleichmäßigen und geordneten Zustand begonnen. ... – Dieser "Punkt" war also vor und bis zum Beginn des Universums, unterstelle ich nach diesem Text; jedoch: das Dasein eines "Punktes" ist auch in der Zeit, ist von zeitlicher Natur (da sein = nur in der Gegenwart sein); also: Zeitlosigkeit gibt es nur nicht
Siehe oben. Warum soll es nicht möglich sein, dass Zeit und Raum einen gemeinsamen Anfang haben? Dass es gegen die menschliche Intuition ist, ist in der Physik kein hinreichender Einwand. 

Es ist nicht naiv, zu fragen: Und was war außerhalb? Das bewegt und bewegte viele Physiker (will ich nicht aufzählen), Philosophen, Logiker und weitere Menschen.
Nur:
Zeit und Raum müssen neu definiert werden, siehe oben, um diesen Anfang begreiflich zu machen.
Menschliche Intuition – das ist, davon abgesehen, sowieso so eine Sache für sich. Auf alle Fälle ist sie das am wenigsten richtige Verstehen eines komplexen Vorgangs.

20.    
Dann wäre die Kontraktionsphase ... die Umkehrung der Ausdehnungsphase. Die Menschen in der Kontraktionsphase würden rückwärts leben: Sie würden sterben, bevor sie geboren wären... – das soll Wissenschaft sein? Was soll man mit diesem Unsinn anfangen, abgesehen davon, daß das "bevor" falsch ist (wenn in diesem Science Fiction-Roman schon alles rückwärts läuft, dann steht auch das Danach vor dem Davor). 
Dies würde dann passieren, wenn die Zeit an die Entropie geknüpft ist, wie Hawking spekuliert. Für mich ein reines Gedankenexperiment, und möglicherweise würden diese Menschen es subjektiv gar nicht anders als wir empfinden, da ja auch deren Gedanken "rückwärts" liefen. Aber hier verlieren wir uns in Spekulationen. 

Spekulationen enthalten eine Spur von geistiger Hinwendung zu einem Vielleicht, bezogen auf ein Wirkliches außerhalb von uns, von dem wir schon gut genug etwas wissen. Hawking macht sich wieder einen Scherz á la Zweidimensionenungetüm.

Oh, oh (schon wieder). Verboten ist sowas außer innerhalb Hawkings Märchen.

Willst du die Welt, wie sie war, ist, wird, erfassen? Sei und bleib' in den Deutungen cool wie sie!
(Hugh! Ich habe gesprochen!)

21.    
Die Zeit war eben noch nicht reif: Es gab Teiltheorien für die Gravitation und die elektromagnetische Kraft... – Die Zeit ist weder reif noch nicht reif, sie ist als zeitliches Potential da, mehr nicht und auch nicht weniger. 
Das ist jetzt die alltägliche Zeit, nicht die physikalische. Und in dieser alltäglichen Zeit müssen Ideen eben manchmal reifen... 

Ja, Ideen müssen reifen, um dem anderen mit seinen Ideen gerecht zu werden.

Zeit allerdings reift nicht. Auch ist Zeit das Ideenreifen in intelligenten Wesen sowohl egal wie nicht egal.

22.    
...mußten die Strings Gummibändern gleichen, die mit einer Zugkraft
von ungefähr zehn Tonnen ausgestattet sind.
– Kraft = Masse? 
(*grins*) Hier haben Sie Hawking bei einem unphysikalischen Vergleich erwischt. Aber soweit ich weiß, ist "tons" im Angelsächsischen tatsächlich eine Gewichts-, nicht eine Masseangabe. Übersetzungsfehler? 

Naja, wer wird schon immer bierernst sein wollen. Einmal doch möchte ich ein Gummiband in der Größe eines Strings sehen.

Allerdings sind Übersetzungsfehler auch Fehler und es gibt auch noch fachkundige Lektoren in der Welt.

23.    
Die Stringtheorien werfen ... ein beträchtliches Problem auf: Sie scheinen nur dann widerspruchsfrei zu sein, wenn die Raumzeit entweder zehn oder 26 Dimensionen, nicht aber, wenn sie die üblichen vier Dimensionen hat! – Mathematik als Funktion von Geist läßt wohl "alles" zu... "Gedanken von innen – Erkenntnisse von außen": ein elementarer Unterschied! Man kann auch mit hundert Dimensionen rechnen, kann gedanklich Entropie umkehren... 
Klar kann man. Nur nicht zu viel in den Begriff "Dimension" hinein geheimnissen. Siehe oben.

Was ist ein Geheimnis – es speist und tränkt das Offenbare, sagt Albrecht Goes (Lyriker, Essayist, Erzähler).
Dimensionen sind offenbar, Mathematik und Physik sind zweierlei, beides unterliegt der Philosophie (ja, es ist so – welcher Mathematiker oder Physiker will in seinem Fach lügen, und Weisheit hat auch mit Wirklichkeit zu tun).
So konzentrieren wir uns doch auf den Adressaten, an den sich unser naturwissenschaftlicher Text wendet, und machen ihn „weise“, aber nicht irre.

24.    
Die Zeit ist nur eine Eigenschaft des Universums, das Gott geschaffen hat. Vermutlich wußte er, was er vorhatte, als er es machte. – Allem (diesem) wohnt bereits Zeitlichkeit inne. – Natürlich hätte es immer noch in seinem Ermessen gestanden, die Gesetze zu wählen, die das Universum bestimmen. – Wie vorher. 
Hawking ist Atheist. Nur hinter diesem Hintergrund lässt sich die Ironie in diesen Aussagen nachvollziehen. 

Hawking darf sein, was er will, auch Physiker, was er ja ist. Er dürfte vor allem gesund sein. Auch seine Ironie in Ehren – der „normale“ Leser weiß von ihr nichts im gegebenen Zusammenhang. Das ist das Fatale dabei.

Davon abgesehen:
Man verinnerliche sich, daß Zeit nicht geschaffen werden kann, da Schaffen bereits Zeit benötigt.

25.    
Warum muß sich das Universum all dem Ungemach der Existenz unterziehen? – Armes, armes Universum. 
Warum soll es dem Universum besser gehen als mir (Vorsicht, auch Ironie). 

Da haben Sie recht! Wir werden ja auch vom Schicksal hart- oder weichgeklopft, sagt Marie v. Ebner-Eschenbach, es kommt auf das Material an.
Bleiben wir also cool!

26.    
Übrigens, Ihre Website ist wirklich gut gemacht. Herzlichen Glückwunsch, war bestimmt mühevoll. Gruß, R. Koellner
Danke, vor allem für Ihren kompetenten Beitrag.

Tun und Reflexion darauf hilft der Lebenssinnerfüllung.
Übrigens: Ich habe die Kritik an Hawkings Text schon mal ein bißchen korrigiert.

Ein interessanter Anhang vom 17. Sept. 2002
Hallo Herr Andersen, vom Urlaub zurück, habe ich mir Ihren neuen Beitrag (den bis Punkt 26.) angesehen. Wirklich gelungen. Dass wir nicht immer einer Meinung sind, macht das Ganze erst richtig spannend. Aber ich bin Ihnen in einer Hinsicht besonders dankbar, was die Diskussion mit den Dimensionen angeht. Wir Physiker operieren mit n-dimensionalen Räumen ja so alltäglich, dass wir oft vergessen, dass der alltäglich erfahrbare Raum normalerweise nur drei Dimensionen hat. Bestenfalls die Zeit als vierte Dimension lässt sich – oft nur mühsam – vermitteln, und die meisten Normalbürger schalten bei den Implikationen der Relativitätstheorie geistig ab. Nun ja, wer kann's ihnen verdenken.

Das Unwissen vom Inhaltlichen der Relativitätstheorie und weiteren Inhalten von „Wirklichem als Wirkendes“ ist ja nicht etwa eine Bildungslücke an sich, da sind wir uns einig (ich verweise den Leser freundlich auf die Definition von „Wirklichkeit“ auf dieser Web Site).

Aber ich schweife ab. Die Idee, die mir gekommen ist, betrifft das von Ihnen erwähnte bedruckte Papier. Geben sie es einem unverbildeten Geist, meinetwegen einem nicht zu alten Kind, und fragen sie es, wieviele Dimensionen es hat. Die wahrscheinlich spontane Antwort wäre: Zwei, nämlich Länge und Breite. Geben Sie ihm dann eine Lupe und machen Sie es darauf aufmerksam, dass das Papier ja „doch“ eine gewisse Dicke hat, und Sie werden überein kommen, dass eine dritte Dimension, wenn auch eine sehr kleine, vorhanden ist.

Schön bildhaft so. Wie klein auch immer, es geht ja um dieses „Vorhanden“.

Dann fragen Sie nach der Dimension der Schrift auf dem Papier. Sie werden erstmal Nachdenklichkeit ernten und nach einer Untersuchung mit der Lupe keine weitere Dimension feststellen. Also ist die Schrift zweidimensional? Nein, Sie müssen nur genauer hinsehen (wie Sie ja wissen), zum Beispiel mit einem Elektronenmikroskop. Irgendwann werden Sie bei genügender Auflösung auch die dritte Dimension feststellen, und wenn es nur ein paar Dutzend Atomlagen sind. Das wissen Sie als Gebildeter a priori, aber Sie müssen
zugeben, dass dies nicht ohne weiteres selbstverständlich ist.

Oder nur eine Atomlage. Oder auch weniger. Daß das nicht jedem Menschen selbstverständlich ist, gebe ich gern und selbstverständlich zu, wissend, daß ein solches WIssen für den „täglichen Tag“ bedeutungslos ist und mit Allgemeinbildung nichts dringlich zu tun hat.

Jetzt kommen die Stringtheoretiker zu Ihnen. (Wohl gemerkt, noch sind es Theoretiker. Wer weiß, wie lange noch.) Diese bitten Sie, noch genauer hinzusehen. Wie genau? Atome oder Atomkerne? Nein, noch viel, viel genauer. Leider gibt es momentan noch keine Instrumente für die geforderte Auflösung, aber die Vorhersagen sind, dass, wenn Sie hinreichend genau "hinsehen", mehr als die üblichen drei Dimensionen feststellen werden. Zum Beispiel 25 oder 26. Wie genau Sie hinsehen müssen, ist leider auch noch nicht ganz bekannt (soweit ich weiß).

Allemal, wie bereits gesagt, ist das Kleinste > 0, und auch spricht jede Dimension > 2 gegen Hawkings Zweidimensionentier. Hinzu kommt m. E., daß es der 4-dimensionalen Makrowelt bedarf als Voraussetzung für die in ihr enthaltenen n-dimensionalen Mikrowelt-Gegenstände, um zu „sein“.

Ich habe oben "hinsehen" in Anführungszeichen geschrieben, denn es wird uns wohl nie gelingen, diese Dimensionen direkt-sinnlich zu erfassen. Dazu sind wir Menschen einfach nicht geschaffen, denn unser alltägliches Leben findet in drei Dimensionen statt, und die Evolution hat es nicht für nötig
befunden, uns diese Fähigkeit zu geben. (Oha, schon wieder so eine Vermenschlichung ;-). Das "Hinsehen" aus Sicht der Physik ist mehr indirekt, nämlich über Experimente, in diesem Fall mit Hochenergieteilchen, zur spezifischen vorhersagbaren Resultaten zu kommen, mit denen die Theorie bestätigt wird. Dennoch ist diese Art von Erfahrung physikalisch relevant, und eine Weigerung, diese Art von Experiment zu akzeptieren, ist für mich das Gleiche wie die Weigerung der Kardinäle, durch Galileos Fernrohr zu sehen...
Viele Grüße aus dem Süden, Richard Koellner

Das sinnliche Erfassen im Menschen geschieht ja ausschließlich über Hilfsmittel (Netzhaut, Nervenbahnen etc.), also ist jede technisch-externe Verfeinerung dieser Mittel nicht Widerspruch zum sinnlichen Erfassen (Physiker erleben doch lieber die gemessene Verifikation ihrer Modellvorstellung, als nur beim Modell zu bleiben). Was das Fernrohr und die Kardinäle angeht – wer Geistesgrenzen sprengen will, wird stets – wie Sie – ganz und gar gegen allen Dogmatismus sein.

Herzlichen Dank für Ihre kompetent-unterhaltsame Stellungnahme!
Was wären wir ohne „Die Information über eine Wirklichkeit auffassen, das Aufgefaßte irgendwie verstehen, mehrfach reflektieren darauf, um die Wirklichkeit zu erfassen“