Zur Interaktion zwischen projektentwickelnden Menschen
von Erich R. Andersen – Seite 2
Bitte berücksichtigen Sie ausstehende Korrekturen.
Einmal die links beschriebene Tatsache verinnerlicht bedeutet die Bestätigung:
Ja, genau so „ging es in mir vor sich“, als ich den ersten drei statements und dann den folgenden drei Erklärungen durch Mehrfachreflexion „auf die ihnen innewohnende Wahrheit kam“.
Der Ausgangspfeil im oberen Teil ist normalerweise erst nach Mehrfachreflexion von II. auf III. zu erreichen.
Wird der Ausgang „beschritten“, bevor die Aussage in ihrem ganzen „Sein und Wesen“ erfaßt worden ist, dann weiß der Interpretierende dieser Aussage den Inhalt der Aussage nicht ganz.
Eine Aussage, die ausgesprochen, geschrieben oder sonstwie geäußert ist, ist konstituiert. Sie wurde damit zur unveränderbaren Sache.
Das bedeutet: sie ist festgesetzt und beschaffen, eben wie sie festgesetzt und beschaffen ist – sie wurde zu einem „passiven Objekt an sich“, mit dem „umgegangen werden kann“.
Der Hörende (Lesende, Sehende) hört (liest, sieht) zunächst und als erstes „irgendetwas“; er versteht „irgendetwas“ (beispielsweise auch falsch, aber er versteht). Die Lehre vom (umfassend richtigen) Verstehen (Wahrnehmung bis Deutung) ist die Hermeneutik.
Zur Interpretation der Aussage als die subjektive Auslegung oder Deutung des Geäußerten bedarf es des rationalen Verstehens des als erstes emotional Wahrgenommenen, und es bedarf der (wiederholten) Reflexion auf das jeweils neu Verstandene bis hin zum Erkennen (Noesis) des „Aussagesinns“, also des Gemeinten. Das Interpretationsergebnis wird vom Habitus des Aussageempfängers (von seinen aktuell ihm innewohnenden „Anlagen“) in Wechselwirkung mit seiner aktuellen Konstitution gesteuert („Habitus-Konstitutionsinterferenz“).
Stellen die Dialogpartner sich auf Habitus und Konstitution des anderen ein, dann ist die Annäherung an das Maximum des „Wahrheitsgehalts“ in der Aussage gegeben. Ist nämlich die Aussage einmal getroffen, dann „hat nur noch der Hörende recht“. Darum kann der Sprechende nicht genug von den Einzelheiten der Vor- und Nachgeschichte seiner Aussage wissen.
Die seinen Aussagen zugrunde liegenden Intentionen sollen seriell geordnet zum Ausdruck kommen (kanalisiert werden). Alle Hintergründe und Konsequenzen müssen dem Hörenden entdeckbar bleiben. Eine Aussage ist der sichtbare Eisberg dessen, was „dahinter steckt“, und eine Interpretation der Aussage hat mit einer Kritik der Aussage nichts zu tun.
Interpretation hilft, zu begreifen, was ergreift (Staiger). Der rationalen Aussagebewältigung muß die emotionale Bewegung durch die Aussage voraus- und hinterhergehen (Hermeneutischer Zirkel = ergriffen sein vom Begriffenen = ästhetische Befriedigung mit der Folge der richtigen Handlung daraufhin).
Auch Intuition heißt Verstehen: das reflexionslose Erkennen des (ganzheitlichen) Wesens einer Sache bereits in der Wahrnehmung einer Aussage ist Verstehen, doch ist es nicht Erfassen des Seins und Wesens der Sache einer Aussage in all ihren Differenzierungen, Färbungen und Wendungen. Deshalb bedarf es stets der ratio als die Grundlage für die Reflexion auf das, was nur intuitiv verstanden wurde, um dieses Verstandene weiter zu vervollständigen. Man ist diesen Vorgang auch dem Aussagenden gegenüber schuldig.
Allerdings, wie die Erfahrung eben lehrt, ist oft das unbedingt Notwendige bereits zu viel. Wer zum Beispiel unternehmerische Abstrakta über sich ergehen lassen muß, sich aber eigentlich an die Tastatur setzen möchte, um weiter drauf los zu tippen, dem wird all dieses bisher Dargestellte einfach lästig sein – Mehrkosten für die Firma am Projekt hin oder her.
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