Zur Interaktion zwischen projektentwickelnden Menschen
von Erich R. Andersen – Seite 1
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Grundlage der Grafiken und Texte auf dieser Seite und auf den folgenden sind vielerlei gehörte wissenschaftlich fundierte Vorträge und der Besuch von Seminaren sowie die Rezeption entsprechender Texte wie auch der Besuch von work shops. Für Referate vor Lehrern im Fortbildungsseminar, angehenden Prosa-Autoren oder führenden Industrie-Angestellten konnte dieses Thema weiter ausgearbeitet werden. Literaturbezug hauptsächlich Leibfried: „Kritische Wissenschaft vom Text“, worin auf auf weitere fachwissenschaftliche Autoren Bezug genommen oder auf sie verwiesen wird, und weitere Texte als Fachveröffentlichungen, die sich mit Interpretationsvorgängen befassen.
Im Bereich „Industrie“ ergeben sich spezielle Erfahrungswerte: die Qualität der Skepsis gegenüber einem solchen Thema ist von der inneren Frage geprägt: „Und was soll das Ganze?“ – gesteuert davon, daß der „alltägliche Tag“ den Menschen hinreichend ausfüllt, die Erfahrungen des Einzelnen im Miteinander – aus der Perspektive der Gesamtheit des Unternehmens oder gar der Wirtschaft schlechthin – aber relativ klein sind („ich Fertigungsmensch habe meine Welt, der Forscher, der Entwickler, der Konstrukteur, der Werkstattmechaniker, der Kommerzielle, der Administrator, der Einkäufer, der Geschäftsführer hat seine“ – das ist in Unternehmen ab einer gewissen „Größe“ noch gängige Einstellung. Auch das team work-Prinzip mit bewußt hinzugezogenen „Querdenkern“ ändert daran nicht viel oder verstärkt es, weil ein Team immer eines braucht: kompetent-konstruktive Argumente „gut geäußert“, alles andere erregt Abneigung und ist kontraproduktiv).
Mit anderen Worten: Es wird, wenn überhaupt, nur mit Widerwillen eingesehen, daß die Qualität der Interaktion zwischen Menschen von ganz und gar entscheidender Bedeutung für die Ökonomie der Entwicklung oder Beherrschung komplexer Systeme aller Art ist. Die am schnellsten formulierte Ausrede seitens industrieller Geschäftsleitung ist „Zu teuer“, seitens aller anderen industriellen Abteilungen „Zu viel Aufwand, stiehlt uns Zeit“. Nicht nur das interdisziplinäre Denken, auch das den Disziplinen in gleicher Weise innewohnende Grundsätzliche anzuerkennen fällt Menschen, deren Spezialwissensanwendung sie genug fordert und worauf sie ihren ganzen Berufslebenssinn setzen, nicht leicht.
Würde aber das „Für-Alle-Gemeinsame“ nicht nur oberflächlich oder mit Abneigung, sondern konstruktiv zum Zwecke der „Verinnerlichung“ angesehen, dann käme der Einmalaufwand für die Ausbildung und der Minimalaufwand zur Erhaltung und permanenten Anwendung des erworbenen Wissens einer Aufwandsminimierung und Qualitätsmaximierung der Arbeit gleich, die dem Unternehmen und seinen Kunden nichts als lauter Vorteile brächte.
Projekte „brauchen Leute“...
Auch Projekte (Pläne, Entwürfe, Vorhaben) sind bereits Systeme, denn sie bestehen aus mehr als nur einem Gedanken, einem Buchstaben, einem grafischen Element.
Ein System besteht aus Subsystemen, Subsysteme bestehen aus Systemelementen.
Systembeherrschung heißt, das Komplettwissen besitzen von den inneren Funktionen und ihren Voraussetzungen und Konsequenzen sowie den inneren funktionalen Zusammenhängen eines Systems und den Zusammenhängen des Systems mit anderen Systemen.
Um Komplettwissen zu erhalten, sind viele Menschen von der ersten Phase der Projektierung bis hin zum fertig realisierten System erforderlich.
Der gleiche Wissensstand im aktuellen Projektwissensstand von Person A und Person B ist durch die Schnittmenge vertreten. Er kam zustande durch Interaktion zwischen A und B (stellvertretend für weitere Personen, Literatur, Vorwissen etc.). „Wissen vom Projekt“ ist hier auf das „Was“ (als Vorausbedingung für ein „Wie und weiteres“) reduziert. Je intensiver die Interaktion, umso mehr „nähern sich“ A und B in Richtung „Gleicher Wissensstand vom ganzen Projekt“. Ist allerdings Person D zu wenig geeignet für das Projekt [Frage der projektbezogenen Fähigkeit, nicht der Intelligenz (einen Nicht-Intelligenten ließe man normalerweise nicht an das Projekt)], dann stellen sich für das Unternehmen gleichzeitig nicht unerhebliche Mehrkosten in weitestem Sinne ein.
Reicht die projektbezogene Fähigkeit nicht aus, so liegt das nicht selten daran, daß „Person D“ einen zu geringen Wortschatz besitzt, Wort- und Satzzusammenhänge nicht „bedeuten“ kann oder ihm zu wenig Gelegenheit gegeben worden ist, sich beruflich und allgemein weiter zu bilden.
Zur Allgemeinbildung sollte das Wissen von interaktiver Qualität zwischen Menschen gehören. Wieviele Fehlleistungen und Irrwege kann der Mensch sich ersparen, wenn er erfaßt hat, was man ihm sagte, und nicht nur irgendwie verstanden hat.
Wer im Dialog nur „hört“, hört eine Aussage.
Doch kommt es darauf an, die Differenzierungen in der Aussage wahrzunehmen und auf sie zu reflektieren.
Das Gemeinte in einer Aussage ist es, worum es geht, nicht die Aussage für sich.
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