Teils boshafte Aphorismen
und solche auch, die es nur sein möchten, von E.R.A.,
in aller Unbescheidenheit gewonnen aus Eignem und aus Anderem.
Auslesearbeit steht noch aus.
Korrekturen vorbehalten.
Im hochaktiven Arbeitsleben
Den einen Tag Fehler eintippen und den anderen Tag sie herauspulen können viele.
Alle Kalkulationen gründen auf Meier-, Müller- und Schulzeeuros.
Intelligenz kommt auch dem Personalabbau zugute.
Blabla statt zu Ergebnissen kommen ist weit verbreitet.
Alles selber machen ist schlechter als nicht besonders gut delegieren.
Verbessern statt erfinden bringt meistens viele Vorteile.
Produktionswochen und Kalenderwochen sind zweierlei Wochen.
Von jetzt auf gleich auch nur das Einfachste erledigen funktioniert nicht.
Wieviele Daten braucht man noch, um bis zu Ende nichts zu verstehen.
Je besser die eingeplanten Zufälle, umso schlechter das Planungsergebnis.
Jede Arbeitsplanung über eine Woche hinaus ist nicht zu gebrauchen.
Der beste Sachbearbeiter kann trotzdem wenig taugen.
Pro Test mehr als eine Variable einfügen bedeutet keinen Sachverstand haben.
Auch der Einzelkämpfer hat irgendwo eine Schnittstelle.
Gekauftes und Bezahltes, das nichts taugt, ist gehaltsabzugsfähig.
Ohne Herz arbeiten heißt ohne Hirn.
Technikers best case ist Kaufmanns worst case.
Insellösungen haben ja die See als Brücke.
Nachverbrennungsfrei unter Strom stehen heißt gute Leistungsbereitschaft.
Einen schlechten Mitarbeiter gut behandeln kann teuer kommen, einen guten schlecht teurer.
Aus Lerngründen Probleme provozieren fixiert die Probleme.
Ursachenbeseitigung statt Überwachungsaufwand ist intelligenter.
Besteht ein Notfall, darf der Pförtner auch mal aufstehen müssen.
Es gibt Kollegen, die man Biegetests und Vakuumkontrollen unterwerfen muss.
Fachliche Ausreißer gibt es nur in den bezahlten Stunden.
Was und nicht wie was gemacht werden muß ist das Erste.
Informatiker machen manchmal software engineering, aber ohne Sicherheitsabstand.
Rapporte sind rein theoretischer Natur.
Verfahrensweisen aus Störungsmöglichkeiten ableiten ist Vorausschauvermögen.
Macht ein guter Mechaniker dasselbe anders als ein anderer guter, so liegt es am Konstrukteur.
Zwischenberichte studieren verdirbt alles Vertrauen.
Manche Leute beziehen ihr Gehalt und beten jeden Tag, daß der liebe Gott die Arbeit macht.
Termin nächste Woche heißt nächsten Montag.
Demotiviert der Chef oder benutzt der Mitarbeiter es als Ausrede, so kommt beides gleich teuer.
Auch Ochsen arbeiten ohne Vorkalkulation drauf los.
Interaktion über Tastatur und Klartextanzeige ist manchem reines Chinesisch.
Sicherheitskopien sind nach Großvater, Vater, Sohn zu erstellen – morgens Großvater.
Ohne funktionierenden Instruktor keine funktionierende Projektcrew.
Bevor man instruiert, hat man die nötigen Daten zu haben.
Wer produzierten Ausschuß vermeidet, wird nicht hoch genug bezahlt.
Ein starkes Negativelement für die Beurteilung der Arbeitsleistung ist Nicht-Miteinander-Reden.
Projektmanager sollen wenigstens Gedanken produzieren.
Ist einer nicht ausgelastet, so muß man ihm was geben.
Ein Bediendisplay zur Bedienperson auszurichten hat seinen Vorteil.
Auch bei chaotischen Organisationen kann einem noch etwas einfallen.
Nicht der Arbeitgeber zahlt dein Gehalt, sondern seine Kundschaft.
Arbeitslohn ist, was ich kriege fürs Geld.
Das Verkäuferleben wäre schön, gäbe es keine Kundschaft.

Zwischen menschgemachten Apparaten
Eine Rutschkupplung kann schlechter sein als gar keine Kupplung.
Statt schlechter Produkte kann man Mitarbeiter aussortieren.
Zeichnungssätze der Maschinenrealität anzupassen ist Folge praktischer Überraschungen.
Ohne Arbeits- und Einstellanweisung laufen Maschinen irgendwie auch.
Was nützt es, wenn die Funktion nicht funktioniert.
Das, von dem jeder behauptet hat: Das Ding läuft nie, kann man immer noch einsetzen.
Der Anwender hat immer recht, er weiß nur nicht, wo.
Software muß immer Hardware gut behandeln.
Maschinen können dumm sein, Menschen dummer.
Nur nicht übertölpelbare Systeme sind vielleicht brauchbare Systeme.
Was ohne Computer erprobt werden kann, hat gute Aussichten gegen Stromausfall.
Selbstlernende Systeme können auch Menschen sein, aber sehr begrenzt.
Seriengeräte müssen raus zum Kunden, damit man für ihren Prototypen Zeit hat.
Was langsam laufen kann, bleibt langsam.
Don’t care-Zustände machen größeren Ärger als beschriebene.
Worauf der Kunde Wert legt, das hemmt die Produktion.
Unreine Produkte in der Eingabe werden selten unterwegs sauber.
Reibungskoeffizienten kann man auch rückwärts rechnen, wenn eine Maschine nicht läuft.
Justiermöglichkeiten sind Bequemlichkeit.
Der Zufall als Produktionsparameter steckt bereits im Konzept.
Schlechte Produkte kann man elektrisch aussortieren, schlechte Mitarbeiter muß man mechanisch.
Selbst an der lautesten Maschine hört man, ob an ihr etwas nicht stimmt.
Wenn das alte besser ist, nichts wie wieder rein damit.
Viele Entwicklungslabore bewahren ihren Bastelclubcharakter.

In aller Menschenschwäche
Wenige Ausnahmen würzen die Grundhaltung. Wenige.
Wirkliche Grenzen sind simpel, nur der Mensch schwankt.
Auf die Drei folgt manchem Unendlich.
Entwickler, die das Ende der Welt sehen, sind keine.
Vor Ort analysieren heißt, den Hintern mal vom Stuhl zu heben.
Software transparent erstellen sind zwei sich widersprechende Wünsche.
Linearisierte Vernetzungskomplexität kann sogar der Einfalt einleuchten.
Wo es nützt, da darf man auch mal rumspielen.
Wer sich nicht verneigen kann, hat einen Rückgratschaden.
Die alten eigenen Fehler machen die eigentlichen Ärgernisse.
Einen Fehler zurückholen ist Schwachsinn.
Argumente schieben oft alles Wichtige beiseite.
Die Einbildung, daß etwas funktioniert, ist weit verbreitet.
Auch am Montagmorgen muß man schon zuhören können.
Manche Investition ist überkandidelt, manche unter.
Zu sagen: ich kann’s, und ich kann’s nicht, ist Betrug.
Fast jeder will Wahrheit, aber selten Wirklichkeit.
Bei Messer und Gabel die Technik verachten ist lachhaft.
Sich mal nicht gebrauchen lassen zeigt, wo die guten Freunde stecken.
Was kann Dummheit auch besser als über Klugheit dumm lachen.
Wenig Interesse am Gegenüber gibt Zeit zum Beäugen seiner interessanten Sachen.
Die ältere Generation ist der jüngeren immer schon sehr alt.
Alte wissen manches von Jungen, Junge wissen von Alten nichts.
Wer dich von Kind auf zu kennen meint, dem gib dich mal philosophisch.
Fernsehgewohnheit am Bildschirm entlarvt uns wie alle Sucht.
Wer ganz mit sich allein ist, kann sich benehmen wie Sau.
Was wir alles so äußern, sagt auch alles über uns aus.
Daß einer Nachbars Unglück nicht sah, tut ihm sowas von gut.
Frommer Augenaufschlag ist Kindesfrage ohne Erwachsenenantwort.
„Das Leben geht weiter“ ist vielen die höchste Erkenntnis.
Glaubensfestigkeit ist gewollte Ignoranz noch offener Fragen.
Zweimal Knopf drücken müssen, nur um einen Baum zu fällen, ist eigentlich zu viel verlangt.
Wer sich verbohrt äußert, steckt unten, tief im Gewindeloch.
Ungebildetheit lacht Feinheiten aus oder sich noch dummer an ihnen.
„An der schönen blauen Donau“ ist manchem das Kulturmaximum.
Haydn nur zu schreiben muss bei vielen unterbleiben.
Es gibt Einfalt, die irgendwohin in den Urlaub fliegt, Hauptsache irgendwo hin.
Es sind die meisten, die ihre Leere nur in der Ablenkung nicht spüren.
Ahnen, daß man nervt, und trotzdem weiter drauf losquatschen gehört in Ketten.
Das Schlimme an der Psychotherapie ist die Therapeutenperspektive.
Ist schon schön, das Lästige dem lieben Gott zuzuschieben.
„Du meldest dich also“ gibt wohltuende Ruhe auf lange Frist.
Oft, wenn überhaupt, fragen Nachkommen erst Dritte nach Elternwerdegang und -seele.
Nachkommenschaft interessiert sich selten für Vorfahrenschaft.
Wieviele alte und neue Maßstäbe werden täglich in die Welt gesetzt und immer für die anderen.
Ignoranz kann alles verderben.
Nicht nur Angst vor jedem Risiko ist Feigheit, auch vor dem bloßen Ungewohnten.
Einfalt wird amtlich gepflegt, man findet sich da am ehesten bestätigt.
Dummheit bringt Dummheit fleißig voran.
Kleingeist bietet Kuchenstücke abgezählt an und unterteilt.
Trägheit steht mitten auf der Kreuzung, im Dorfstraßenplan vertieft.
Von etwas keine Ahnung zu haben finden Schwachköpfe gut.
Kleines erkennt am Größeren, was es gerade erkennen kann.
Im Alter noch an Schulhofhäme leiden heißt, früh stehengeblieben zu sein.
Die meisten sehen im Laubfall lediglich, daß es Herbst ist.
„Nur mir bin ich Ich“ versteht die überwiegende Mehrheit nicht oder falsch.
Viele Köpfe verdummen oftmals einen klugen.
Je kleiner einem das Weltbild, desto öfter wiederholt man es.
Selten addiert sich Dummheit nur, meistens multipliziert sie sich.
Mancher gewesene Boß entwickelt sich überraschend zum Menschen zurück.

Mit vollem Wissen, klarem Verstand
Die Steuerung, das letzte Geld mit dem vorletzten Atemzug auszugeben ist Lebenskunst.
Stille in aufgeregter Runde kann sehr produktiv sein.
Neben dem Schrei, daß etwas auffällt, soll man ihn auch notieren.
Schlechte Vorschläge sind kompensierbar, indem man nur die Nachteile erwähnen wollte.
Die Interpretationsgeschwindigkeit ist die entscheidende Geschwindigkeit im Menschen.
Ein wissenschaftliches Ergebnis kann falsch sein, ein richtiges nicht.
Perfekt sein in der Theorie heißt, es vergessen haben, wenn man’s braucht.
Rechtfertigungen begründen, daß die Ursachen ganz woanders liegen.
Sich sachkundig machen, bevor man Flops erzählt, ist nicht verboten.
Oft werden Theorien gewälzt, die die Praxis nicht dringend enthält.
Ohne Glauben an anderes nützt dir dein Wissen wenig.
Manches ist so simpel, daß es wieder zum Problem wird.
Intelligenz muß im Menschen stecken, nicht nur im Automaten.
Nach dem Leben ist man nur noch nicht.
Was hüllenlos ist, ist bewußtseinslos.
Je weniger einer räumlich denkt, umso flacher ist seine Vorstellungskraft.
Einen Inhalt gibt es nicht ohne sein Gefäß.
Rein akademisch darf man nur in den Voraussetzungen denken.
Analyse und Diskurs erklären, aber nicht Staunen.
Alle Identität braucht Abgrenzung als erstes.
Alles Denken nur im Ich ist ichvermehrende Unbelehrbarkeit.
Sich zwischen allem anderen von außen analysieren ist Suche nach dem Selbst.
Dass einem im Tode alles wurscht sei ist falsch: „Einem“ gibt es dann nicht mehr.
Gegenwart dauert 10 hoch minus 24 Sekunden, da lebt man nicht.
Zufälle gibt es innerhalb der Köpfe real, aber nicht außerhalb wirklich.
Wer nah zu sich selbst kommen möchte, muß als erstes ganz weit von sich gehen.
Extern hereinkommende Information gäbe es ohne mich, intern hinausgehende gäbe es nicht.
In der Lebenskomplexität eindimensional denken ist gefährlich für alle anderen.

Glück, Versuch und Perspektive
Manches klappt ohne primitivste Voraussetzung, bloß anders.
Auch im Durchhang kann es sich gut nachdenken lassen.
Was tu ich und was passiert daraufhin ist zweierlei.
Eigene Grenzen täglich einen Schritt überschreiten bringt schrittweise voran.
Wer nur nach vorn blickt, ist verdammt einseitig.
Ins Vergangene schauen bringt weniger Unschärfe als ins eventuell Kommende.
Nicht jeder Nachrückende will das Rad neu erfinden, aber es müßte doch auch elliptisch gehen.

In Ironie und Abneigung
Manches Ungeliebte liegt auf dem Schrotthaufen und ist im Geiste schon tot.
Manche lesen gern Märchen, aber hören sie nicht so gerne.
Manch einer muß penibel seine Klappe in Ordnung halten.
In einem Konzept etwas anstreben wollen ist lachhaft.
Manchmal will man es nicht haben, daß einem ein Herr X etwas analysiert.
Besser kein Theater als Ekeltheater.
Man ärgert sich über den Hustenden, indem man sich laut räuspert.
Einen gefühlskalten Menschen behandle wie ein gefühlloses Objekt.
Wird einem übel, so liegt es fast immer nicht an den anderen.
Meistens kriegen Eltern die Kinder groß, manchmal kriegen Kinder die Eltern klein.

In Erkenntnis und Einsicht
Alle Zukunft ruht auf der Basis der Vergangenheit
Durchlicht ist besser als Drauflicht.
Die Wahrheit sitzt oft im finstersten Eck.
Haben wir unsere Mörder und ihr habt eure, so ist die Welt doch gut in der Waage.
Objekte gehören abgeschafft, damit ihre Tücken verschwinden.
Aus Erfahrung zu lernen fällt außerordentlich schwer.
Hart wie Kruppstahl sollst du sein, aber biegsam.
Kontaktprobleme auf sich beruhen lassen heißt Autist sein.
Je kürzer eine Voruntersuchung, desto aufwendiger die Nachuntersuchung.
Gegenwart kann man nicht sehen, man sieht nur rückwärts oder denkt vorwärts.
Wer einen Text schreibt, soll Distanz gewinnen; wer ihn später liest, soll sie verlieren.
Wer sich abwendet beim Nein, hört nicht das feine Ja darin.
Einen Komplex bis auf das letzte Ja/Nein herunterdividieren ist Systemanalyse.
Die Ungebildeten, auch die im Kreise der Gebildeten, sind weit in der Überzahl.
Der Teilradius Wissen ist in uns kürzer als der Restradius Nichtwissen.
Praxis ist nicht so einfach, wie man’s sich naiv vorstellt.
Den wilden Bären schützen wollen hört auf, wenn man von ihm gebissen wurde.
Hauptsache, alle Variablen bleiben konstant.
Wer sieht, daß Raumzeit und Temperatur das erste für ihn sind, so ist ihm schon viel geholfen.
Jedes Ereignis verläuft digital, seine Deutungen hingegen nicht.
Die sechs Buchstaben NICHTS kann man denken, was sie aussagen sollen, nicht.
Den status quo einfrieren bedeutet lange Auftauzeiten.
Ursachen liegen oft an Stellen, die durch Bastelei nicht erfaßbar sind.
Je näher die Fernsicht, umso weiter die Kurzsicht.
Nur Bremsen verhindern den freien Rücklauf.
Gegen Streß hilft oft Resignation.
Mit dreißig müssen die Voraussetzungen stehen, wenn einem im Alter geglaubt werden soll.
Eintrichterung braucht einen schon fertig konstruierten Trichter.
Am Strang ziehen, soll er nicht reißen, heißt: Im Takt und Schritt auf Schritt.
Software ist immateriell, muß aber aus Hartholz sein.
Im Gefängnis kann man das Gefängnis nicht von außen ermessen.
Nur Träume mit Hand und Fuß sind wirtschaftlich akzeptabel.
Oft hält Mystik die heilige Ruhe aufrecht, die von Wirklichkeit gründlich zerstört werden kann.
Jede dritte Menschengeneration meint, sie sei die erste dritte in der Welt.
Wer lange schläft, verspielt alle unhektischen Chancen.
Die meisten Menschen sind nur unsymmetrisch tolerant.
Grobhochdrei-Konzepte verführen zum Gleichloslegen.
In Gemälden erscheint weder Welt noch Phantasie, das erscheint nur im Betrachter.
Zu schaffende Kunst ist offen, denn Unwirklichkeit ist immer offen.
Du kannst noch so viel für eine Sache getan haben, sie kann es dir nicht danken.
Selbst der größte Wirklichkeitsfeind muß essen und das Gegenteil.
Der eigene Tod gehört nicht zum eigenen Leben, denn beides lernt sich nicht kennen.
Seele ist Persönlichkeit, aber in allen ihren Fasern.
Als erstes rettet dich vielleicht ein Floß und zweitens dann vielleicht die Hoffnung.
Ohne Körper keine Seelenhülle, wie also Seele ohne ihn.
Ohne treffende Antwort und gehaltvolle Fragen bleibst du besser bei dir selbst.
Gebildet taktvoll zugetan und dennoch klar konturiert sein – das finden wir nicht allzu oft.
Die Welt des anderen hinter seinem Wort erfaßt haben heißt Bildung haben.
Manchmal ist Begriffsstutzigkeit nicht Begriffsstutzigkeit, sondern kluge Zurückhaltung.
Tot sein heißt erloschen sein; die Suche nach Lebenssinnerfüllung muß vorher erfolgen.
Einem Objekt bin ich Objekt.
Liebe ist der am meisten vergewaltigte Begriff.
Menschen zerbrechen darf man nicht, Menschen zerknicken darf man offensichtlich.
Jeder Konflikt hat seine Nutznießer.

Mit Wohlwollen
Manchmal läßt man mit sich reden wie mit einem kranken Hund.
Vieles braucht nur relativ zu stimmen.
Zwischen Mann und Frau bleibt immer etwas nicht Wegzudiskutierendes.
In der Verwandtschaft kann es auch schon mal Freunde geben.
Weites Herz mit weitem Verstand kann dieses nicht: einen Menschen seelisch unterdrücken.
Haben wir drei Generationen im Haus, so haben wir drei Sprachen im Haus.

Mit Herz und Gefühl
Nicht selbst Erlebtes bleibt letztlich fremd.
Mitlachen wollen wir alle, mitweinen lieber nicht.
Individuell größte Liebe gibt es so viel wie es Menschen gibt.
Auch der Verstandesmensch hat nicht nur Verstand.
Mitgefühl erkennt man an den Augen.
Auch Emotionen haben logische Gründe.
Die ungesteuerte Herzlichkeit ist die echte Herzlichkeit.
Sinkt die Teilnahme aneinander unter zwei Drittel, dann beendet euer Zusammensein.
Zwischen Zweien kann Distanz gegen Null gehen, aber nicht zwischen Mehreren.
Liebe Kind-Mutter zum Gegensatz ist Liebe Mutter-Kind: ganz uneigennützig.
Das Augenpaar sagt alles aus, bekräftigt bisweilen von Sprache und Gestik.
Elterngefühle, die sich nicht auf die Kinder beziehen, verlieren schnell deren Aufmerksamkeit.

In Trauer
Trauer enthält immer Liebe, Liebe enthält manchmal Trauer.
Traurig sein und trauern unterscheiden sich wie gerührt sein und ergriffen sein.
Ohne Dankbarkeit trauern wäre wie lieben ohne zu empfinden.
In der Trauer sich beherrschen kann manche vermeintliche Freundschaft erhalten.
Wer seinen Seelenschmerz bezwingt, tut anderen oft einen großen Gefallen.
Ist eine Verstorbenenseele innig geliebt, so wohnt sie innig in der Lebendenseele.
Zu sagen „Euerm Verstorbenen geht’s gut“ hält gut von allem Mitgefühl frei.
Bleibt von einem Paar einer übrig, so wird manche dritte Hoffnung erweckt.
Trauerarbeit, in einigen Wochen erledigt, war weder Trauer noch Arbeit.
Einsam ist, wer sich nicht verstanden fühlt oder wer trauert.
Das verachtet den Menschen, den es einmal gab: daß er zur Rechten Gottes sitze und fertig.
Das Alleinsein ist nicht schlimm, schlimm ist es ohne den einen Menschen.
„Gewesene Trauer“ ist Unwissenheit, Trauer wird nicht älter.
Nach außen hin fröhlich sein und in der Seele trauern ist verdammt schwer.
Daß ein leben wollender Mensch erlöschen mußte, darum trauert ein anderer.
Nicht das Ende an sich, daß vieles noch erlebt sein wollte stößt in Trauertiefen.
Beileids-, also mitleidslos sind die Indolenten und Ignoranten.
Schulden kann man abarbeiten, Trauer nicht.
Nicht selbst erlebte Trauer bleibt fremde Trauer.
Trauer und Depression sind zweierlei, Depression kann einfache Gründe haben.
Den Verlust des wichtigsten Menschen begriffen haben braucht die längste Zeit.
Das Potential zwischen Gefühl und Vernunft ist in der Trauer das mächtigste.
Unbetroffene wollen nichts von Trauererfahrung wissen.
Daß wir alle einmal sterben müssen ist der allerdümmlichste Einfaltstrost.
Trostlos ist der Trostversuch, daß alles schon wieder werden werde.
Jede Trauer hat die eigene Ebene und die eigenen Gründe.
Kapitalverlust hat oft Schadenfreude, Lebenspartnerverlust hat Wortlosigkeit zur Folge.
Dieser eine Blick in die Welt fehlt, den es gab, und diese dazugehörige Persönlichkeit.
Der Tod halbiert den Partnerschaftskreis und hebt ihn eines Tages auf.
Der Überlebende möge weiterleben, da er nicht weitersterben soll.
Ohne Trauerverlust ist jede neue Entscheidung seelenzugelassen.

Mit waghalsigen Bezügen
Ein Bewusstsein ohne Wahrnehmung außerpersönlicher Informationen ist eine Weltbeschreibung ohne Welt.
„Es ist doch lange hergebracht, daß in der (einen) großen Welt man (lauter) kleine Welten macht.“ Johann Wolfgang von Goethe, Faust
Wir leben zwei Leben, jeweils zweifach begrenzt: das gewesene und das kommende, das wir noch gestalten können; zwischen beiden leben wir nicht.
„Das ganze Geheimnis, sein Leben zu verlängern, besteht darin: es nicht zu verkürzen.“
Ernst Freiherr von Feuchtersleben, Tagebuchblätter
Was die Erben im Erbfall wollten, ist nichts; was die Erblasser im Erbfall wollten, ist alles.
„Laß dem Sohn, der Frau, dem Bruder, dem Freunde, nicht Gewalt über dich weil du lebest; und übergieb niemand deine Güter, daß dich’s nicht gereue, und müßtest sie dann bitten. Dieweil du lebest und Odem hast, untergieb dich keinem anderen Menschen. Es ist besser, daß deine Kinder dein bedürfen, denn daß du ihnen müßtest in die Hände sehen! Bleib du der Oberste in deinen Gütern, und laß dir deine Ehre nicht nehmen.“
Die Bibel, Sirach 33. Kapitel

Nur mit eigenen Gedankentiefen im Streben nach Widerspruchsfreiheit fesselt Philosophie.
„Recht hat jeder eigene Charakter, der übereinstimmt mit sich selbst; es gibt kein andres Unrecht als den Widerspruch.“
Friedrich von Schiller, Wallensteins Tod

Unkultiviertes Kleinbürgertum ertragen müssen nimmt unerträglich von Kraft.
„Du mußt klein sein, willst du kleinen Menschen gefallen.“
Ludwig Börne, Über den Umgang mit Menschen

Je schlaffer die Mühe, eine Vorgeschichte zu klären, desto straffer die Verurteilung der Nachgeschichte.
„In jedem Urteil drückt der naiv urteilende Mensch sich selbst aus.“
Ricarda Huch, Blütezeit der Romantik

In den gewöhnlichen Grundbedürfnissen ist am ungewöhnlichen Großen noch nichts ungewöhnlich Großes zu erkennen.
„Ein erhabner Sinn legt das Große in das Leben, und er sucht es nicht darin.“
Friedrich von Schiller, Huldigung der Künste

Auch denselben immer wiederholten Traum möchte der Schwache immer neu erfüllt bekommen.
„Die Menschen schlafen nebeneinander mit ihren Träumen, aber selten weiß einer, wenn der andere eben einen schweren hat; er würd’ ihn sonst wecken.“
Jean Paul, Selina

Im Kleinbürgerkreis ungebildet sein heißt unentwegt sich ganz sicher sein.
„In der Dummheit ist eine Zuversicht, worüber man rasend werden möchte.“
Friedrich Heinrich Jacobi, Auserlesener Briefwechsel

Sich den Moden unterwerfen heißt ohne feste Persönlichkeit sein.
„Schmeichelt mir einer und sagt mir mehr Lob als ich glaube, daß er glauben kann, daß ich's verdiene: so nehm’ ich doch das Lob an und setze hinzu, der Lügner hat Recht, ohne es zu wissen.“
Jean Paul, Gedanken

Inniges Gefühl zur Natur, gebildete Behaglichkeit, Suche nach Hintergründen und tätige Bürgerlichkeit machen Lebenssinnerfüllung aus.
„Wenn man mißt, erkennt man, daß viele Dinge größer sind als sie aussehen.“
Bernard Shaw

Wortschatzarmut bedeutet Armut im Verständnis von Zusammenhängen und Armut im Würdigen der Schicksale anderer.
„Wir haben unsere Welt nicht anders als im Wort.“
Rudolf Alexander Schröder