Generationsglück Schlechte, fordernde, fördernde, gute Zeiten.
Zwei Generationen verstehen sich Was ist Glück? Glück kann ein Ziel sittlichen Handelns sein und so den Zustand des inneren Einklangs von Wunsch und Befriedigung erreichen. Es ist aber auch Glück, wenn innere Tendenzen mit äußeren Umständen günstig zusammentreffen und man sich über diese gute Fügung, unabhängig von Besitz und Schicksal, freuen kann – erklärt ein Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Meine Generation hat die Kriegsjahre in den Kindertagen erlebt, die anspruchslose Nachkriegszeit erfahren, sich an ihren Wertmaßstäben orientiert, diese ggf. zu erweitern oder zu erneuern versucht, sich das eigene Leistungsprofil aktivieren und optimieren lassen, am wirtschaftlichen Aufschwung zum Wohle auch der diese Hochkonjunktur Verachtenden mitgearbeitet, und sie half mit, deren Leben und das der anderen Bürger der deutschen Wohlfahrtsbundesrepublik auf Basis dessen, was nach dem Zusammenbruch 1945 da war, in sozialer und materieller Hinsicht zu maximieren.
Daran konstruktiv mitwirken konnte aber nur, wer imstande war, das eigene psychische und welt- anschauliche Koordinatensystem nicht an subjektiven, häufig agitatorisch-zerstörerischen und im Grunde selbstzerstörerischen Ideologien auszurichten, sondern an der Logik des menschlichen Verhaltens und der gesellschaftlichen Zusammenhänge, also auch der wirtschaftlichen, der wirkenden = wirklichen, und zusätzlich, wenn er in der Lage war, den politischen Frieden „als Allererstes“ zu würdigen. Denn friedliche politische Konventionen bedeuten ja das Fundament für die kontinuierliche Verbesserung der privaten Situation – vor allem der freiheitlichen, und auch nicht nur der privaten.
Im Potentialfeld zwischen proletarischer Intelligenz und einfältigem Sichsicher- sein und in jenem zwischen akade- misch-kluger Zurückhaltung und provozierender Arroganz sowie im Spannungsbereich der beiden Felder zueinander fand ich innerhalb des grundsätzlichen Glücks meiner Generation das berufliche und private Glück, versuchen zu können, die Weltwirklichkeit unter oft diametral entgegengesetzten Aspekten anderer zu betrachten, darauf zu reflektieren und mir – so gut es eben ging – ein gewisses Verständnis für ihre Empfindungen und Aussagen zu erarbeiten. Denn ohne andere ist der Einzelne „nun einmal wenig“. Etwas machen für andere
Maxima „haben die Angewohnheit“, einen relativen Wert zu besitzen, und sinkt dieser, so ändert sich das zugehörige Optimum. Wenn die inneren Tendenzen einer Nachfolgegeneration mit den für sie geltenden äußeren Umständen optimal zusammentreffen und sie sich über diese gute Fügung, unabhängig von Besitz und Schicksal, freuen kann, dann bleibt auch ihr das Glück erhalten. Es ist z. B. nicht so, dass wir unglücklich waren, als es an jener (zumeist technischen) Intelligenz anderer Leute noch fehlte, derer man sich seit Jahren wie selbstverständlich bedient. Fließend Wasser hatten wir, Gasheizung auch, sogar Kanalisation; hingegen waren Weltreisen bei weitem noch nicht Volkssport. Die enger gezogenen geographischen, kommunikativen und ethischen Grenzen forderten einen hohen Grad des Für- und Miteinanders und förderten den Abbau des infantilen Selbstbedenkens. Damit soll lediglich behauptet sein, dass Luxus und Komfort nicht nur den Zustand des inneren Einklangs von Wunsch und Befriedigung herstellen, sondern auch diesen Einklang in anderen Menschen und damit in einem selbst erniedrigen oder zerstören können selbst bei der geringsten Verminderung des „selbstverständlichen“ materiellen Wohlstands, auf den meine und die Vorgängergeneration in den 1950er-Jahren im Wirtschaftswunder- ereignis – hochmotiviert und oft rund um die Uhr – abzuzielen begannen.